Nr. 29/2018 vom 19.07.2018

Landschaftskunst bei den Mutterkühen

Von Caroline Baur

Analia Sabans Werk beim Bahnhof Versam-Safien. Foto: Ueli Alder

Die Freude, was zu verpassen, ist die inkarnierte Version der Angst, ständig was zu verpassen, und eine generelle Sommerempfehlung. Wer sich trotzdem nicht vollumfänglich der mehrwertlosen Entspannung bei Berg und Gewässer hingeben kann, dem schlage ich folgende Variante vor: Der vierte Sommerausflug geht ins bündnerische Safiental, wo gerade die zweite Edition der Art Safiental stattfindet. In der touristenarmen Gegend streift man ohne Sozialstress durch eine Ausstellung unter freiem Himmel. Ausserdem herrscht hier der ewige Wildblumenfrühling, und Kunstwerke machen sich gut neben Wasserfällen, auf Bergspitzen und in Kapellen. In einer solchen zeigt Altmeister Roman Signer seine Arbeit namens «Explosion». Mit fünfzehn KünstlerInnen aktualisiert der Kurator Johannes M. Hedinger das «Land Art»-Genre, eingeladen ist auch eine Grande Dame der Land-Art-Generation, Lita Albuquerque (USA). Die Werke sind in den Safier Bergen zerstreut, manche davon sind nur zu Fuss zu erreichen. Auf längeren Wanderungen gilt Vorsicht vor Mutterkühen.

Und wie kommt man zu Berg und Tal? Von Chur aus fährt die Bahn der Rheinschlucht entlang, bis man am kleinen Bahnhof in Versam-Safien ankommt. Nach dem ersten Eiskaffee in der Gartenbeiz nebenan gehts zum ersten Werk: Gleich am Bahnhof ragt die Felsenmalerei der argentinischen Künstlerin Analia Saban empor. Von hier fährt das Postauto über schwindelerregende Brücken und in engen Kurven hoch hinauf ins Hundertseelendorf Tenna. Dort findet sich beispielsweise Ingeborg Lüschers Bodenskulptur aus Schwefel. Im Hotel Alpenblick übernachtet es sich bequem, will man die Art Safiental richtig auskosten. Wer müde von der Bergluft wieder ins Flachland reist, aber noch nicht genug Hirnnahrung hatte, kann auf dem Rückweg über St. Gallen zum Ausklingen in der Lokremise haltmachen. Das Freiluft-Programmkino zeigt Filme unter dem Motto «Liebe macht keine Ferien». Entspannung ist eben für manche nichts.

«Art Safiental»: bis 21. Oktober 2018 im Safiental. www.artsafiental.ch

«Liebe macht keine Ferien»: bis 11. August 2018 im KinoK der Lokremise St. Gallen. www.kinok.ch

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch