Nr. 32/2018 vom 09.08.2018

Tatort Letzibadi – Teil I

Von Franziska Meister

Dieses weisse Zelt am Beckenrand: War es schon da gewesen, als er kam? In Gedanken schreitet Max den Abschnitt zwischen den Pavillons und der grossen Blumenrabatte entlang der Stirnseite des Schwimmerbeckens noch einmal ab. Doch da war nichts, das ihn irritierte. Noch nicht. Er schüttelt unwillkürlich den Kopf. Die Irritation war erst später aufgetreten, als er sein Tuch auf der Wiese vor dem Kiosk ausgelegt und sich seine erste Zigarette angezündet hatte. Sie besass die Gestalt eines Mannes in einer knallroten Badehose, die seine fahle Haut noch bleicher wirken liess. Er hatte sein Tuch nahe bei Max – zu nahe, wie Max fand – ausgebreitet und sofort das Gespräch gesucht. Wie viel er rauche, ob er schon daran gedacht habe aufzuhören, es sogar versucht habe. Erst dachte Max, der Mann wolle einfach eine Zigi schnorren. Da war dieses seltsame Flackern in den Augen, mit denen er jeden Zug verfolgte, wenn die Asche kurz aufglühte. Aber der Mann hatte entsetzt abgelehnt. Nein, er habe seine Sucht besiegt, Gott sei Dank, mit einer todsicheren Methode. Dabei beugte er sich unvermittelt zu Max vor, der sich mit einer Reihe gelblicher Zähne konfrontiert sah, zwischen denen ein leise gehauchtes «Waterboarding» entwich.

Den Erstickungstod simulieren, um Raucher vor Lungenkrebs zu bewahren? Max blinzelt gegen das Sonnenlicht, das den Pool in ein noch unwirklicher leuchtendes Türkis taucht, und gleitet ins kühlende Nass, den Blick auf das weisse Zelt am andern Ende des Beckens geheftet. Mit jedem Schwimmzug versucht er, das seltsame Gespräch weiter abzuwaschen. Da gibt ein leichter Windstoss für Sekunden Einblick ins Zelt. Und auf eine rote Badehose.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch