Nr. 40/2018 vom 04.10.2018

Tausendernoten verstecken

Von Stefan Keller

Tausendernote, gestaltet von Eugène Burnand, 1911 (Quelle: Archiv der SNB)

Wem soll man noch trauen, wenn sogar Dienstboten aufsässig werden? Ende September 1918 sind es zwar nicht die Zimmermädchen, Butler oder Chauffeure, aber die Zürcher Bankangestellten, die den gewohnten Gehorsam verweigern. Der kleine Commis am Schalter, der unscheinbare Bürolist am Stehpult: Sie legen die Arbeit nieder, fordern existenzsichernde Löhne. Die Zürcher Arbeiterinnen und Arbeiter unterstützen sie sofort. Ein lokaler Generalstreik wird Vorbote des Landesstreiks.

Zürichberg und Goldküste zetern. General Ulrich Wille schreibt dem Bundesrat, seine Bekannten brächten ihre Guthaben in Sicherheit. Bald werde man frühmorgens aufwachen, und im Volkshaus hätten die Linken die Macht ergriffen. Wille verlangt ein Truppenaufgebot. Bald wacht man auf, und die Städte sind militärisch besetzt. Die Familie Wille lässt unterdessen auch ihre Wertpapiere verstecken. Die Nationalbank gibt zusätzlich Banknoten für hundert Millionen aus, so viel Geld wird abgehoben. Die Rückseite der Tausendernote zeigt den Reichen jene, vor denen sie sich am meisten fürchten.

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