Nr. 29/2020 vom 16.07.2020

Milliarden in den Sand gesetzt

Von Daniel SternMail an AutorIn

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) will in ihrer Anlagepolitik nichts von klimaschädigendem Treibhausgasausstoss wissen. Um die «Wirtschaft» zu stützen und den Schweizer Franken abzuschwächen, druckt sie munter eine Milliarde nach der anderen und kauft damit ziemlich wahllos Obligationen und Aktien – auch von Öl-, Gas- und Kohleunternehmen. So besass die SNB 2014 laut US-Börsenaufsicht Aktien des US-Frackingunternehmens Chesapeake im Wert von 16 Millionen US-Dollar, die im ersten Quartal 2020 gerade einmal noch 0,6 Millionen US-Dollar wert waren.

Chesapeake hat am 28. Juni Insolvenz angemeldet. Das Frackinggeschäft in den USA liegt am Boden, und auch breiter diversifizierte Energiekonzerne müssen Milliarden abschreiben. Dutzende fossile Unternehmen stehen vor dem Bankrott (vgl. «Eine Branche am Abgrund»). Der Öl- und der Gaspreis sind für die sowieso schon hoch verschuldete Branche zu tief. Wind- und Sonnenkraft werden immer billiger und machen der Kohle Konkurrenz, die Umweltbewegung wird immer stärker. Zu all dem ist nun auch noch die Coronakrise gekommen.

ÖkonomInnen reden seit Jahren von der Gefahr der «stranded assets»: dass die fossile Industrie die Veränderungen in der Klimapolitik und der Wirtschaft ignoriert und somit Billionen in den Sand setzt. Jetzt ist die Zeit der «stranded assets» da. Geschädigt werden jene AnlegerInnen, die sich wie die SNB keinen Deut um die Diskussionen gekümmert haben. Auch Pensionskassen, systemrelevante Banken und Versicherungen gehören dazu. Letztlich trifft uns das alle.

Am Mittwoch hat Greenpeace eine Aufsichtsbeschwerde bei den Geschäftsprüfungskommissionen von National- und Ständerat eingereicht. Das Parlament müsse dafür sorgen, dass die Oberaufsichtskommission Berufliche Vorsorge, die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) und die Nationalbank klare Richtlinien verabschiedeten, fordert die Umweltorganisation. Anlagen in fossile Unternehmen wie Chesapeake müssen verboten werden. Nur so können die Klimaziele von Paris erreicht und eine noch grössere Wirtschaftskrise verhindert werden. Das Parlament muss handeln.

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