Nr. 11/2021 vom 18.03.2021

Schönes neues Arbeiten?

Von Franziska MeisterMail an Autor:in

Gelobt sei das Homeoffice! Ein Mantra, das seit Monaten erschallt – nach Kräften geschürt von businessspaceoptimierenden Unternehmen, die ihre fleissigen BürogeneralistInnen zu Hause rund um die Uhr erreichen können. EpidemiologInnen klatschen Beifall (wenn auch aus ganz anderen Gründen), Medien kolportieren Geschichten von Familien, die zu Hause alles aneinander vorbei und unter einen Hut kriegen: Kinder unterrichten, kochen und in die Computertasten hauen. Natürlich gab es immer auch andere Stimmen. Sie sprachen von Erschöpfung, Einsamkeit, Existenzängsten.

Das Homeoffice – eine Qual? Vielleicht sogar noch schlimmer, zeigt eine Studie aus Deutschland, wo 2020 fast tausend Beschäftigte jeweils im Juni, August und Oktober zu ihrer Arbeit im Homeoffice befragt wurden. Mehr als ein Drittel gab an, zu Hause weniger produktiv zu arbeiten, Tendenz sinkend, je länger das Homeoffice andauerte. Das lag weniger am Job selbst oder den Kindern, als vielmehr an der Wohnsituation grundsätzlich: Wer daheim kein eigenes, gut ausgestattetes Arbeitszimmer als Safe Space hat, muss seinen Laptop am Küchentisch aufschlagen, wo sich Spaghettireste mit Ladekabeln mischen.

Dabei mutierte das Homeoffice vor allem für Singles und junge Angestellte zur Gefängniszelle: kein Austausch, kein Lernen von Älteren, keine Aufstiegschancen. Für all die arrivierteren, besser verdienenden Büromenschen, die sich in ihren grosszügigen, gut ausgestatteten Wohnungen ganz autonom ihren vielschichtigen Aufgaben widmen konnten, zahlte sich das Homeoffice hingegen aus. Für Studienleiter Andreas Pfnür ganz klar eine schlechte Nachricht: «Homeoffice bereitet den Weg aller Bürobeschäftigten in eine Zweiklassengesellschaft.»

Zum Ergebnis, dass Homeoffice die Gesellschaft spalte und die soziale Schere weiter öffne, kommt auch eine weitere deutsche Studie. Grund ist der Digitalisierungsschub, der mit dem Homeoffice verbunden ist – er lässt ArbeiterInnen ausserhalb der Bürowelt zunehmend ins Hintertreffen geraten.

Unser Mantra ist klar: Friede den Hütten, Krieg den Palästen!

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