Nr. 14/2021 vom 08.04.2021

Die CS hat das Vertrauen verspielt

Von Daniel SternMail an AutorIn

Am Dienstag musste die Schweizer Grossbank Credit Suisse einen Verlust von 4,4 Milliarden Franken bekannt geben, der aus Geschäften mit dem vorbestraften Hedgefonds-Artisten Bill Hwang resultiert. Wie viel Minus die Bank zusätzlich wegen der Geschäfte mit dem insolvent gewordenen Finanzunternehmen Greensill macht, ist offen. Eigentlich könnte man mit den Schultern zucken und sich wichtigeren Dingen des Lebens zuwenden. Denn die CS ist ja ein Privatunternehmen. Doch so einfach ist es nicht.

Die Credit Suisse ist systemrelevant – «too big to fail». Sie darf nicht plötzlich zahlungsunfähig werden, das würde das Finanzsystem zumindest der Schweiz zusammenbrechen lassen und hätte auch global schwere Auswirkungen; den Schaden tragen dann nicht nur BankmanagerInnen, die finanziell längst abgesichert sind, sondern sogenannt einfache Leute, die Jobs und Pensionen verlieren.

Deshalb müssen die Grossbanken über relativ grosse Finanzpolster verfügen und sollten eigentlich auch besonders gut von der Finanzmarktaufsicht (Finma) überwacht werden. Doch gerade die Credit Suisse zeigt, dass das kaum zu machen ist. Letztlich sind es gerade einmal eine Handvoll Leute aus der Finma, die einen globalen Konzern mit fast 50 000 Angestellten unter Kontrolle haben sollten – das ist unmöglich. Das System beruht auf Vertrauen. Doch die vielen Skandale bei der CS zeigen, dass der Bank nicht zu trauen ist. Die Einsicht fehlt völlig: So stuft CEO Thomas Gottstein das jüngste Versagen der Bank nicht als systemisches Problem, sondern als Unfälle ein, wie in einem Interview mit der NZZ vom Mittwoch deutlich wird. Er benützt das Bild des Skirennfahrers, den «Verletzungspech» plage, und beschönigt bereits wieder: «Unser operatives Quartalsergebnis ist sensationell.»

Diese latente Bedrohung muss gestoppt werden. Die Credit Suisse ist in der jetzigen Form ganz offensichtlich nicht reformierbar. Höchste Zeit, dass die Finma hart durchgreift, das besonders riskante Investmentbanking stilllegt und den Rest in ungefährliche Einzelteile aufspaltet.

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