Nr. 24/2021 vom 17.06.2021

Sie rennen dem Käse nach

Von Alice Galizia

Rauchen kann man eigentlich ewig. Und es gibt Tage, da fällt einem wirklich nicht viel Besseres ein. Viele solcher Tage reihen sich in einer italienischen Kleinstadt aneinander: Hier verbringen Zuzu, Dario und Riccardo ihren Sommer, sie essen Pizza und Glace, trinken und kiffen, hier ist ihr Daheim, nicht mehr und nicht weniger. Ihre Freundschaft, dieses platonische Dreieck, beschreibt die italienische Comiczeichnerin Zuzu in ihrem Debüt «Cheese» so zärtlich, dass man am Ende ein Teil davon zu sein glaubt. Dass man sich um diese Figuren zu sorgen beginnt: um Zuzu, die schon lange nichts mehr isst und sich trotzdem die Seele aus dem Leib kotzt, um Dario, der die Pizza beim Lieferdienst lieber klaut, statt sie auszutragen, und dann natürlich erwischt wird, und um Riccardo, der eigentlich gerne studieren würde, sich aber nicht an der Universität anzumelden getraut, und, wie sie alle, sowieso kein Geld dafür hat.

Vieles wird in diesem episodenhaften Werk bloss gestreift, oder es entfaltet sich erst in Zuzus sorgfältigen, unglaublich ausdrucksstarken Zeichnungen: die Inhaberin der Pizzeria, die mit ihrer grobschlächtigen Nonchalance fast aus dem Panel quillt, Rocco, in den Zuzu verliebt ist, mit seinem schönen, dummen Gesicht – und eben auch diese drei FreundInnen, wie sie einander zugewandt sind und sich, obwohl sie den ganzen Tag nur Schwachsinn reden, lieben mit jedem Satz. Darum ist Rocco eigentlich nur dazu da, dies zu bestärken: Es ist Zuzu schliesslich doch wichtiger, mit ihren Freunden an einem «Käserennen» in Brentonico teilzunehmen, als an Roccos Party zu gehen. Obwohl dieses Käserennen ja auch nur so eine komische Idee ist von Riccardo, der, komplett unsportlich, plötzlich nur noch da hin will (man wird dann schon erfahren, wieso).

Eine kleine Welt tut sich auf in diesem Buch, man möchte sich zu diesen drei AussenseiterInnen in die RaucherInnenküche setzen. Aber wahrscheinlich hätten sie darauf gar keine Lust. «Eher schiess ich mir in den Kopf», sagt Dario einmal, als sie an einer Party gefragt werden, ob sie sich der Gruppe anschliessen wollen.

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