Nr. 27/2021 vom 08.07.2021

Johanniter, Klima und Windparks

Von Dominik Siegrist

Ihr Haus sei das letzte in der Deutschschweiz, gleich ein paar Meter weiter beginne die Romandie, lassen uns unsere GastgeberInnen wissen. Nach einem hitzigen Anstieg durch die Reben sind die KlimaspurerInnen in Schernelz hoch über dem Bielersee angekommen. Kürzlich von der «Weltwoche» als «Klimaeiferer» ausgezeichnet, ist unsere umstürzlerische Wandergruppe unterdessen auf vierzig Köpfe angewachsen. WOZ-Kolumnistin Ruth Wysseier und Filmemacher Werner «Swiss» Schweizer haben uns auf ihr Weingut eingeladen. Im Schatten des Gartens kredenzen die zwei ein Glas kühlen Johanniter, eine kräftige rote Assemblage und einen spritzigen, alkoholfreien Schorly.

Der Winzerin und dem Weinbauern machen die Wetterkapriolen zu schaffen. Erst kürzlich hat ein Hagelschlag grossen Schaden angerichtet. Und der Klimawandel? Derzeit profitiere der Weinbau am Bielersee von den höheren Temperaturen, auch ihre Weine seien in den letzten Jahren voller, besser geworden. Wenn es immer heisser werde, würde es für den Weinbau kritisch.

Dann überschreiten die Klimaspuren den Röstigraben, und es geht steil hinauf in den Jura. Einige der Wandernden müssen dafür leiden, dass sie ein Glas Wein über den Durst getrunken haben. Gegen Abend aber treffen alle wohlbehalten im Juradörfchen Nods ein. Auf dem Chasseral wacht immer noch die grosse Antenne über die weite Landschaft. Sie hat längst keine Aufgabe mehr und sollte abgebaut werden, fordert Raimund Rodewald von der Stiftung Landschaftsschutz. Zusammen mit Fabien Vogelsperger, Direktor des Parc Chasseral, informiert er über die Windkraft im Jura. Sechzig Windräder von rund 200 Metern Höhe seien allein im Parc Chasseral geplant. Das bedeute eine inakzeptable Verspargelung der Juraketten. Man suche nach Kompromissen, die Windanlagen natur- und landschaftsverträglich zu bauen, und habe dafür mit den Berner Kraftwerken ein gutes Verfahren ausgehandelt.

Mitwandern? Unter www.klimaspuren.ch anmelden.

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