Nr. 05/2022 vom 03.02.2022

Ein Fels in der Brandung?

Von Lukas Tobler

«Er verzichtet freiwillig auf 4,2 Millionen Franken». So betitelt die «SonntagsZeitung» ein Porträt des Verlegers René Schuhmacher. Anlass dafür war die Abstimmung über den Ausbau der Medienförderung. Schuhmacher verantwortet mit seinem Verlag etwa die Magazine «K-Tipp» und «Saldo». Die Medienförderung lehnt er auch deshalb ab, weil er damit die Unabhängigkeit der Medien in Gefahr sieht.

Gegenüber der WOZ beklagt Schuhmacher, dass in den Coronajahren nichtprofitorientierte Medien leer ausgegangen seien, während Zeitungen 98 Millionen Franken erhalten hätten: «Das färbte sich unseres Erachtens auch auf die Berichterstattung ab.» Nicht so offenbar auf die Titel seines Verlags, die sich immer wieder kritisch zur Coronapolitik äussern. Kürzlich war dort in einem Artikel des «K-Tipps» von «Corona-Panik» die Rede.

Schuhmacher inszeniert sich als Fels in der Brandung. Unbestechlich – auch gegenüber dem Staat. In der «SonntagsZeitung» fragt er rhetorisch: «Weshalb soll eine Migros-Kassierin uns subventionieren?» Nur: Der WOZ liegt ein Schreiben an das Bundesamt für Kommunikation von 2019 vor, das mehrere Vertreter:innen der Mitgliedschafts- und Stiftungspresse unterzeichneten. Darin bedanken sie sich für die zwanzig Millionen Franken Unterstützung. Zugleich fordern sie aber eine Angleichung der Subventionen an jene für Zeitungen – also noch mehr Geld. «Wir fordern bei der bevorstehenden Gesetzesänderung eine Gleichbehandlung», heisst es im Schreiben. Zu den Absender:innen gehört auch René Schuhmacher.

Schuhmacher streitet einen Meinungsumschwung ab: Mit der neuen Vorlage würden die Beiträge an die Mitgliederpresse zwar um zehn Millionen Franken erhöht werden, den Zeitungen winkten aber ganze sechzig Millionen zusätzlich. Die Ungleichbehandlung zuungunsten der Mitgliederpresse würde mit der neuen Vorlage nicht behoben. Damit hat er recht. Aber die Migros-Kassierin hat ihn trotzdem subventioniert. Und man darf sich fragen: Ist Schuhmacher vielleicht doch weniger ein Fels in der Brandung – als eine Fahne im Wind?

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