«WOZ News»: Kurzgefasste

Nr. 16 –

Seit fast 45 Jahren schauen die «WOZ News» den Medien auf die Finger. Nun erscheint die Rubrik zum letzten Mal.

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Würden wir alle bisher geschriebenen «WOZ News» aneinanderkleben, ergäbe sich ein Streifen von gut und gerne 750 Metern Länge oder eine 180 Seiten dicke WOZ. Nun heisst es, einer der langlebigsten Rubriken im deutschsprachigen Raum Adieu zu sagen. Verschiedenes bewegt uns, zum Zeitpunkt der Neugestaltung der WOZ einen Schlussstrich zu ziehen.

Die Rubrik, erschienen ab der allerersten WOZ am 1. Oktober 1981, war ursprünglich auch gedacht als ein Platz für Interna, mit denen wir ein wenig den tierischen Ernst, den zu kultivieren unser Blatt von Anfang an im Ruf stand, durchbrechen wollten – daher der Name «WOZ News», der haften blieb.

Ein treffenderer Name wäre vielleicht «spitz & findig» gewesen, denn die «WOZ News» entwickelten sich schnell zum Fundbüro, zum Schauplatz von Kürzestglossen, Sprachkritik, Medienkritik, zu mehr oder weniger freundlicher Satire – unvergessen das Ceterum censeo des ganz zu Beginn an den «WOZ News» beteiligten WOZ-Mitgründers Erich Meier: «H****gopfertamisiech!» –, auch mal zu einem Fortsetzungsroman.

Wenn es ein Credo gab, dann dieses: Haltet der Sprache Sorge, aber seid offen für ihren Wandel; deshalb waren die «WOZ News» zum Beispiel ab 1983 ein Ort, wo regelmässig das von der WOZ eingeführte und in den Folgejahren sich langsam im Mainstream ausbreitende I in der Wortmitte thematisiert wurde, nicht als Stolperstein, sondern als Möglichkeit.

Jahrelang erschienen die einzelnen Beiträge ungezeichnet. Dahinter steckte die Idee, dass alle Mitarbeitenden Beiträge verfassen könnten. De facto war es in den ersten rund zwanzig Jahren fast ausschliesslich fi, an dem die Rubrik «hängen blieb», bis kho dazustiess; seither füllten wir im Duett.

Der Reiz, diese Textsorte so lange zu bedienen, bestand darin, möglichst aktuelles vorgefundenes Material aufzugreifen, dieses möglichst kurz wiederzugeben und möglichst eine Pointe zu finden. Es mag vielleicht den Anschein erweckt haben, aber es ging letztlich weniger um Schadenfreude über das Corpus Delicti – den falschen Fall, die falsche Orthografie, das bizarre Sprachbild, die strube oder widersprüchliche Formulierung – als darum, hochgestochen formuliert, zugrunde liegende Probleme aufzuzeigen: fehlende Sorgfalt, unreflektiertes Schreiben, häufig infolge misslicher Produktionsbedingungen für die schreibenden und redigierenden Kolleg:innen.

Das traf auch immer wieder uns selbst. Die WOZ wird zwar ausserordentlich aufwendig produziert, jeder Text durchläuft mindestens drei Instanzen – die Redaktion im Ressort, die Abschlussredaktion, die Korrektur –, aber Fehler passieren und finden auch mal den Weg aufs gedruckte WOZ-Papier.

Bisweilen wurde uns Besserwisserei vorgehalten oder Moralisieren. Besser können wir es nicht, aber länger, um die Ovomaltine-Werbung zu zitieren, nur schon weil wir den Raum haben, um uns auszudrücken. Und Moralisieren? Eine Moral schreibt immer mit. Auch teilte man uns gelegentlich mit, wir hätten uns politisch inkorrekt geäussert. Im Ringen um das, was zu sagen legitim sei, wird manchmal die Funktion des uneigentlichen Sprechens übersehen – aber natürlich bedauern wir es, sollten wir jemandem zu stark auf die Füsse getreten sein.

Wir wissen, dass die «WOZ News» zu den beliebtesten Gefässen der WOZ gehören. Manchmal gelang es uns, in der S-Bahn oder im Café eine Person zu beobachten, wie sie die Rückseite der WOZ studierte und ein Grinsen über ihr Gesicht lief. Viel mehr Feedback brauchte es nicht.

Die Ausgangslage hat sich nicht zum Besseren gewendet, im Gegenteil. Die Menge an Fehlern, die uns wöchentlich von gleich gesinnten treuen Leser:innen zugesteckt werden, nimmt kontinuierlich zu. Rundherum sparen selbst die renommiertesten Medien, ob Print oder Online, auf Teufel komm raus. Fehlte gerade noch die KI. Unsere klassische Rubrik ist da möglicherweise nicht mehr die adäquate Antwort.

Deshalb Boxenstopp statt wöchentlicher Kraftakt. Das heisst nicht, dass wir nicht weiterhin aufmerksam lesen und uns besonders doofe, zynische oder lustige Beispiele vornehmen, aber erst mal sagen wir: Das wars, Freund:innen, ganz herzlichen Dank fürs Füttern, fürs Lesen und Goutieren!