Frag die WOZ: Netflix, billiger als Biotomaten?
«Wieso kosten 500 Gramm Biotomaten im Viadukt mehr als ein Monatsabo für Netflix?» – The Sequel!
K. L., via Mail
Das ist eine sehr gute Frage! Aber haben wir sie hier nicht bereits beantwortet? Das stimmt. Aber erst zur Hälfte. Wenn ein halbes Kilo Biotomaten laut Ihrer Rechnung mehr kostet als ein Monatsabo für Netflix, muss man sich ja fragen: Sind nur die Tomaten so teuer? Oder ist Streaming so billig? Spoiler: Beides ist der Fall.
Ein Standardabo bei Netflix kostet in der Schweiz derzeit 22.90 Franken pro Monat, also etwas mehr als ein einzelnes Ticket für einen einzigen Kinofilm. Das lässt sich teils damit erklären, dass Kinos als lokales Gewerbe auch Miete, Arbeitskräfte und Steuern zahlen. Dagegen profitieren digitale Plattformen zwar von der hiesigen Infrastruktur, zahlen aber keine Steuern in der Schweiz, wenn sie, wie Netflix, hier keine Niederlassung haben. Seit 2024 müssen zwar auch Streamingdienste vier Prozent des Umsatzes, den sie in der Schweiz erwirtschaften, in die hiesige Filmwirtschaft investieren, aber eine Steuer ist das nicht.
Zugleich bedeutet es für den einzelnen Titel einen drastischen Preiszerfall, angesichts von rund 7500 Filmen und Serien, die derzeit in der Schweiz auf Netflix verfügbar sind. Wenn ich also drei Filme pro Woche streame, zahle ich mit einem Monatsabo weniger als 2 Franken pro geschauten Film. (Und bräuchte fast fünfzig Jahre, bis ich 7500 Titel gesehen hätte.) Teile ich mein Konto mit der WG oder der Familie, sinkt der Preis pro einzelnen Film auf einen Bruchteil. Oder nochmals anders gerechnet: Mit dem Abo zahle ich pro verfügbaren Titel gerade mal 0,3 Rappen im Monat. Unschlagbar, oder?
Aber keine Sorge, dies ist kein Werbespot. Schwieriger zu eruieren ist nämlich, wie viele von diesen Abertausenden von Titeln mich denn auch wirklich interessieren. Und das ist ein entscheidender Faktor im Geschäftsmodell von Netflix, das massgeblich auf Skalierung beruht. Damit die Rechnung für den Streamingriesen aufgeht, muss Netflix möglichst wahllos möglichst viele Nutzer:innen ansprechen und diese dann auch bei der Stange halten. In den Dimensionen des Marktführers mit über 325 Millionen Abonnent:innen weltweit heisst das: Der Streamer muss sein Angebot so breit halten, dass für alle mehr als nur etwas dabei ist.
Da fällt dann auch gar nicht so auf, wie vieles davon mich vielleicht gar nicht anspricht. Es ist diese unkuratierte Unmenge an Filmen, die einem das Gefühl gibt, ein Netflix-Abo sei preiswert – auch wenn das Angebot bei anderen, kleineren Streamingdiensten womöglich besser auf mich zugeschnitten wäre. Genug von allem, damit für alle etwas dabei ist: Für den Vermögensverwalter Blackrock und die anderen institutionellen Anleger, die fast zwei Drittel der Netflix-Aktien halten, scheint das jedenfalls ein Poker zu sein, der sich rechnet.
Immer montags beantworten wir in der Rubrik «Frag die WOZ» jeweils eine wirklich (un)wichtige Leser:innenfrage. Noch Fragen? fragdiewoz@woz.ch!