Russische Kohle in Appenzell: «Aber über den rede ich nicht»

Nr. 19 –

Von der Ära Jelzin bis heute: Im Schatten der grossen Rohstoffhandelsplätze macht auch die Ostschweizer Provinz Geschäfte mit russischen Oligarchen. Begann alles mit einem grossen Betrug?

Infografik: Verflechtungen von Personen und Firmen im Rohstoffhandel
Grafik: WOZ

In Meistersrüte bei Appenzell weht vor einem weissen Bürogebäude im Einfamilienhausstil eine Fahne mit der Aufschrift «Ardnas Consulting». Ardnas wie Sandra rückwärts. Sandra Graf öffnet die Tür ihres Treuhandbüros in einem Pullover mit dem Glitzeraufdruck «Love more». Sie habe doch schon den anderen Journalisten gesagt, dass sie keine Auskunft gebe, sagt sie zuerst. Im Herbst 2022 hatte das Kulturmagazin «Saiten» über Verbindungen der russischen Kohleindustrie in der Ostschweiz berichtet. Dann überlegt Graf es sich überraschenderweise anders. Es sei ja vielleicht gut, einmal Klarheit zu schaffen. «Ist doch eh alles kalter Kafi.»

Sandra Graf führt nicht nur ein Treuhandbüro, sie ist auch Komanagerin von MIR Trade mit Sitz in Teufen, Appenzell Ausserrhoden, dem Handelsarm des russischen Kohlegiganten SDS-Ugol. Und was die Frau mit dem Glitzerpullover als «kalten Kaffee» bezeichnet, ist nicht nur die Geschichte ihres Aufstiegs. Es ist auch die Geschichte einer Gegend, die sich im Schatten der grossen Rohstoffhandelsplätze Zug, Genf oder Lugano an den Wirtschaftstätigkeiten der russischen Oligarchen mit bereichert hat.

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