Sozialhilfekosten: Eine Toggenburger Skandalgeschichte
Der Gemeindepräsident von Wattwil macht die Ausgaben für eine geflüchtete Familie öffentlich und ritzt damit bedenklich am Datenschutz. Die SVP nützt die fragwürdige Offenlegung für eine fremdenfeindliche Kampagne.
Wer eine Gemeinde präsidiert, tritt gewöhnlich im Gewand der staubtrockenen Seriosität vor die Bürger:innen. Doch Alois Gunzenreiner fiel am Abend des 11. März aus dieser Rolle. Der Vorsteher der Toggenburger Gemeinde Wattwil hatte an einer gut besuchten Bürger:innenversammlung eigentlich über die Finanzlage der knapp 10 000 Einwohner:innen zählenden Kommune zu berichten. Doch dann legte er die Kosten der Gemeinde für eine Flüchtlingsfamilie offen, die dem Budget «massiv zusetzen» würde, wie er im Lokalteil des Ostschweizer «Tagblatts» zitiert wird. Die Familie belaste die Gemeinde mit 400 000 Franken jährlich und geniesse «den umfangreichen Katalog an Unterstützungsleistungen, welche die öffentliche Hand der Familie zur Verfügung stellt». Die «Krönung» sei die Fremdplatzierung eines Kindes der sechsköpfigen Familie. Kostenpunkt: 250 000 Franken. Verordnet haben die «zahlreichen» Massnahmen das Kreisgericht und die Kesb.