Über die Familie hinaus Wie aus persönlichen ­Geschichten Literatur wird

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Filmszene aus Super-8-Film abfotografiert: Mutter und Tochter beim Spielen
Das Foto stammt aus einem Bildessay der WOZ-Fotografin Ursula Häne: Sie hat Filmszenen aus Super-8-Filmen abfotografiert, die ihr Vater in den siebziger Jahren aufgenommen hat.

«Es gibt eine Art Familiengebot, nur im kleinen Kreis über die Familiengeschichte zu reden», sagt die Autorin Nadine Olonetzky über ihre Familie. Mit einem Buch bricht sie nun dieses Gebot. Auch Özlem Çimen bringt in ihrem Roman über Generationen Unausgesprochenes ans Licht. Wie werden verschwiegene Familiengeschichten zu Literatur? Wie kann über persönlich Erfah­renes etwas erzählt werden, das über das Individuelle hinausweist? Und warum sind literarische Auseinandersetzungen mit der eigenen Identität so im Trend? 

Solchen Fragen geht dieses «wobei» nach: in einem grossen Doppelinterview mit Çimen und Olonetzky, einem Essay sowie weiteren Texten, die sich mit Büchern von Au­tor:innen beschäftigen, die vom 10. bis am 12. Mai an den Literaturtagen in Solothurn zu Gast sind. 

Auch im Bildessay steht die eigene Familie im Zentrum: WOZ-Fotografin Ursula Häne hat Szenen aus Super-8-Filmen ­abfotografiert, die ihr Vater in den siebziger Jahren aufgenommen hat. Die festgehaltenen Momente erzählen vom glücklichen Familienleben – und werfen gleichzeitig die Frage auf: Was wird nicht ge­zeigt?