Nr. 35/2017 vom 31.08.2017

Die AfD und die extreme Mitte

Von Jens Renner

Am 24. September wird zum ersten Mal seit 1953 eine Partei rechts von der CDU/CSU in den Deutschen Bundestag einziehen: die Alternative für Deutschland (AfD). In Umfragen kommt sie auf acht Prozent. Da Linke, Grüne und Liberale in etwa gleichauf liegen, könnte sie schlimmstenfalls zur drittstärksten Kraft in Deutschland werden. Anlass genug für eine nähere Beschäftigung mit einer Gruppierung, die in den Medien meist «rechtspopulistisch» genannt wird. Der Berliner Publizist Sebastian Friedrich hat ein handliches Büchlein veröffentlicht, das trotz seiner Kürze differenziert das Phänomen AfD erklärt. Erst 2013 von konservativen «Euro-Skeptikern» um den Hamburger Ökonomieprofessor Bernd Lucke gegründet, schien die Partei schon 2015 nach dessen Entmachtung am Ende.

Zur Überraschung vieler ExpertInnen aber hat sie diverse Konflikte und Skandale nahezu schadlos überstanden. Seit der «Flüchtlingskrise» von 2015 präsentiert sie sich erfolgreich als Sprachrohr der «kleinen Leute», die Merkel und «denen da oben» mal zeigen wollen, was sie von ihrer Einwanderungspolitik halten. Rassismus und Antifeminismus sind wesentliche Bestandteile ihres politischen Angebots. Dabei ist die AfD – das zeigt Friedrich überzeugend – keineswegs die Partei der Abgehängten. Vielmehr gelingt es ihr, unterschiedliche soziale Milieus anzusprechen und WählerInnen von allen Seiten zu mobilisieren.

Ein Mittel dazu ist die Strategie des kalkulierten Tabubruchs, wie sie insbesondere der rechte Hardliner Björn Höcke betreibt. Eine Nazipartei ist die AfD aber nicht. Vielmehr, schreibt Friedrich, kämpften in ihr eine nationalkonservative, eine nationalliberale und eine völkische Strömung um die Vorherrschaft. Bis zur Wahl sind sie noch aufeinander angewiesen. Auf die Selbstzerlegung der AfD – wie sie bei rechten Parteien in Deutschland kurz nach Wahlerfolgen häufig zu beobachten war – sollte man aber nicht hoffen. Im Schlusskapitel fordert Friedrich die Linke auf, auch die «extreme Mitte» in den Blick zu nehmen. Denn deren IdeologInnen hätten den Aufstieg der AfD erst möglich gemacht.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Unterstützen Sie die WOZ als Ganzes mit einer Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr

Drücken Sie ihr Interesse am Text Die AfD und die extreme Mitte aus und tätigen Sie eine spezifische Flattr-Spende.

Spenden mit Flattr