Nr. 27/2013 vom 04.07.2013

Der Diktator in der Zelle

Von Daniel SternMail an AutorIn

Hissène Habré, der frühere Staatspräsident von Tschad, ist am Sonntag im Senegal verhaftet worden, wo er jahrelang im Exil lebte. Dem 71-Jährigen soll in Absprache mit der Afrikanischen Union nächstes Jahr der Prozess vor einem senegalesischen Sondergericht gemacht werden. Er wird zahlreicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen beschuldigt. Er soll die Hauptverantwortung an 200 000 Folterungen und an der Ermordung von mehr als 40 000 Oppositionellen während seiner Diktatur von 1982 bis 1990 tragen.

Der «Pinochet Afrikas», wie ihn etwa die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nennt, wurde in dieser Zeit von den USA und Frankreich unterstützt. So half ihm der US-Geheimdienst CIA bei der Machtergreifung, danach erhielt seine Armee Waffen und militärisches Training. Mitglieder des tschadischen Geheimdiensts wurden in den USA ausgebildet.

Habré sollte Tschad zum Bollwerk gegen den früheren libyschen Diktator Muammar al-Gadaffi machen, französische Truppen halfen ihm bei kriegerischen Auseinandersetzungen gegen Libyen. Habré wurde Ende 1990 von tschadischen Rebellen unter der Führung seines früheren Generalstabchefs, Idriss Déby, gestürzt und floh in den Senegal. Frankreich hatte ihn zuvor fallen gelassen.

Seit seinem Sturz haben Opfer und Menschenrechtsorganisationen dafür gekämpft, dass Habré verhaftet und vor Gericht gestellt wird. «Endlich werden wir unseren Peiniger zur Rechenschaft ziehen können und unsere Würde als Menschen wiedererlangen», sagt Clément Abaifouta, Präsident der Opfervereinigung.

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