Nr. 42/2013 vom 17.10.2013

Heavy Eskapismus

Von Markus Spörndli

2013 ist das Jahr, in dem altgediente englische Gentlemen mit einem gewissen Klassenbewusstsein grossartige Spätwerke veröffentlicht haben. Die Pet Shop Boys etwa, die auf dem neuen Album «Electric» den Sprung von dem von ihnen geprägten Elektropop in eine modern-nostalgische Variante elektronischer Clubmusik gewagt haben. Das Duo aus Londons East End überzeugt, auch weil es noch immer einen scharf-sarkastischen Blick auf Ungleichheiten und Hipstertum wirft – nicht nur in der Paradesingle «Love Is a Bourgeois Construct».

Aus Aston (Birmingham), dem Zentrum der britischen Metallverarbeitung, stammen die Herren von Black Sabbath, die seit 42 Jahren das proletarischste aller Musikgenres prägen, den Heavy Metal. Intellektuelle stellten die testosterongetränkte Brachialmusik zwar in die Schmuddelecke und zeigten sich zuweilen enttäuscht, dass hier keine Revolution, sondern meist eskapistische Mystik verkündet wurde. Die Musik von Ozzy Osbourne (64) und Co. ist 2013 vielschichtiger und drängender denn je. Die malochenden Fans der ersten Stunde freuts genauso wie die Hipster, die nun Heavy Metal plötzlich total interessant finden.

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