Nr. 14/2014 vom 03.04.2014

Sag Danke, liebe BKW!

Von Susan Boos

Die Chefs des Berner Energiekonzerns BKW FMB Energie AG haben sich in den letzten Jahren bös verrannt. Jetzt muss Suzanne Thoma, die neue BKW-Chefin, aufräumen und eine halbe Milliarde Franken abschreiben.

Es wäre an der Zeit, sich bei den Leuten zu bedanken, die verhindert haben, dass die BKW nicht ganz am Abgrund steht. 2007 war die BKW grössenwahnsinnig und zog in die Welt hinaus. In Italien und in Deutschland wollte man Kohle- und Gaskraftwerke bauen. Unter anderem auch in Dörpen, einem kleinen Dorf bei Bremen.

Wäre alles nach Plan gelaufen, hätte die Anlage dieses Jahr den Betrieb aufgenommen. Doch der Widerstand gegen das geplante Kohlekraftwerk wuchs, in Dörpen wie in Bern. Es dauerte, bis auch die BKW-Männer begriffen, wie schlecht diese CO2-Fabriken sind. Schlecht fürs Geschäft – was ihnen die KohlegegnerInnen stets vorgerechnet hatten.

Die damaligen BKW-Bosse stiegen in Dörpen noch rechtzeitig aus, sonst drohten Thoma noch grössere Abschreiber. Jetzt musste sie nur Rückstellungen für das Steinkohlekraftwerk in Wilhelmshaven und die Gaskraftwerke in Italien vornehmen, an denen die BKW beteiligt ist.

Das Pumpspeicherwerk auf der Grimsel soll vorläufig ebenfalls nicht weiterverfolgt werden. Auch da müsste die BKW den Umweltorganisationen danken, denn diese unrentable Anlage hätte die BKW längst gebaut, wenn die Umweltorganisationen sich nicht dagegen gestemmt hätten. Suzanne Thoma sagte letzte Woche, die BKW wolle sich neu erfinden. Keine schlechte Idee. Dazu müsste aber die älteste Altlast beseitigt werden: das AKW Mühleberg. Thoma zaudert hier, das AKW soll bis 2019 laufen oder vielleicht länger, verbindlich ist nichts festgelegt.

Die BernerInnen haben es in der Hand, das zu ändern. Am 18. Mai müssen sie an der Urne bloss Ja sagen zur Mühleberg-Initiative, die schlicht fordert: «Der Kanton, als Mehrheitsaktionär der BKW FMB Energie AG, sorgt für die sofortige Ausserbetriebnahme des AKW Mühleberg.» Die BKW wird es ihren BesitzerInnen irgendwann danken, auch wenn sie immer ein bisschen lange braucht, um zu begreifen.

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