Nr. 41/2015 vom 08.10.2015

Teures Pflaster für Schweizer Verlage

Für Schweizer Verlage wird es finanziell zunehmend schwierig, das Schaulaufen an der Frankfurter Buchmesse mitzumachen. Dafür mischt die Schweizer Literatur dieses Jahr ganz vorne mit. Gastland ist Indonesien.

Von Silvia SüessMail an AutorIn

Fünf Jahre ist es her, seit der Deutsche sowie der Schweizer Buchpreis an eine Schweizer Autorin gingen: Melinda Nadj Abonji gewann 2010 mit ihrem Roman «Tauben fliegen auf» beide Preise. Dieses Jahr könnten erneut beide Preise an eine Schweizerin gehen. Die in Hamburg lebende Schweizer Autorin Monique Schwitter steht mit ihrem Roman «Eins im Andern» (vgl. «Zwölf Männer und zwei grosse Lieben») auf der Shortlist sowohl für den Deutschen wie auch für den Schweizer Buchpreis.

Auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises hat es auch der Schweizer Rolf Lappert mit seinem Roman «Über den Winter» (vgl. «Kaltes Klima überall») geschafft. Ausserdem darauf: Frank Witzel mit «Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969», Inger-Maria Mahlke mit «Wie ihr wollt», Ulrich Peltzer mit «Das bessere Leben» und schliesslich Jenny Erpenbeck mit «Gehen, ging, gegangen». Die Berliner Regisseurin und Autorin wird als Favoritin für den Preis gehandelt. In ihrem Roman über junge Flüchtlinge aus Afrika, die in Berlin gestrandet sind, bearbeitet sie ein höchst aktuelles Thema literarisch (vgl. «Was passiert, wenn wir den Platz tauschen»).

Vergeben wird der Deutsche Buchpreis am Montag, 12. Oktober: Er macht den Auftakt zur Frankfurter Buchmesse. Dort stellen Verlage aus der ganzen Welt ihr Programm an Ständen vor und offerieren neben Lesungen ihrer AutorInnen meist auch noch Apéros. Während fünf Tagen versucht man so nach Kräften, die Buchbranche als eine florierende Branche zu präsentieren – was jedoch nicht wirklich der Fall ist. Der Schweizer Diogenes-Verlag etwa musste dieses Jahr wegen der Aufhebung der Eurokurs-Untergrenze auf einen teuren Stand an der Buchmesse verzichten. Und das, obwohl das Unternehmen neunzig Prozent seines Umsatzes in Deutschland erzielt.

Anwesend sein werden dafür gut siebzig AutorInnen aus Indonesien, dem diesjährigen Gastland der Buchmesse. Sie präsentieren die Neuerscheinungen ihrer Werke in deutscher Sprache. Einige von ihnen kommen anschliessend auch in die Schweiz, an die Literaturtage Zofingen. Unter ihnen ist Leila Salikha Chudori. Sie kam 1962 in Jakarta zur Welt, arbeitete als Redaktorin, schreibt Drehbücher für Fernsehfilme und gehört heute zu den bekanntesten Autorinnen Indonesiens. In ihrem Roman «Pulang» (2012), auf Deutsch 2015 unter dem Titel «Pulang (Heimkehr nach Jakarta)» im Weidle-Verlag erschienen, setzt sie sich mit dem noch immer unaufgeklärten Putschversuch gegen Präsident Sukarno im Jahr 1965 und seinen Folgen auseinander. Sie erzählt von einer Gruppe Journalisten, die ins Exil fliehen mussten, als die Massenmorde an (angeblichen) Mitgliedern und SympathisantInnen der Kommunistischen Partei Indonesiens begannen. In Paris versuchen sie dann, Fuss zu fassen.

Auch der Indonesier Andrea Hirata wird von Frankfurt an die Literaturtage Zofingen weiterreisen. Ihm gelang der internationale Durchbruch mit seinen autobiografischen Romanen «Die Regenbogentruppe» (2005, Deutsch 2013) und «Der Träumer» (2009, Deutsch 2015), die beide auch verfilmt wurden.

Die Frankfurter Buchmesse findet statt von Mittwoch bis Sonntag, 14.–18. Oktober 2015. 
www.buchmesse.de

Die Literaturtage Zofingen finden statt von 
Freitag bis Sonntag, 23.–25. Oktober 2015. 
www.literaturtagezofingen.ch

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