Nr. 23/2016 vom 09.06.2016

Brutale Armee, neue Rebellen

Von Corina Fistarol

Als Muhammadu Buhari vor einem Jahr das Staatspräsidium übernahm, war die Hoffnung auf einen Wandel in Nigeria gross. Doch bereits regt sich in vielen Bundesstaaten Widerstand gegen die Regierung. So erhalten etwa sezessionistische Igbogruppen aus der Region Biafra wieder Aufwind. Die Regierung reagiert rigoros: Viele Demonstrierende wurden verhaftet, einige erschossen. Das gewaltsame Eingreifen hat die Bewegung aber keineswegs geschwächt.

Auch im Nigerdelta gibt es Unruhen. Trotz internationaler Proteste gegen Ölmultis in den neunziger Jahren haben sich die Lebensbedingungen der zehn Millionen EinwohnerInnen kaum verändert: Vom Reichtum unter ihren Füssen profitieren sie selten. Das «schwarze Gold» fördern multinationale Konzerne wie Shell, Agip und Chevron, lokale Einnahmen verschwinden noch immer grösstenteils in den Taschen korrupter BeamtInnen. Nun hat sich eine neue Rebellengruppe, die «Rächer des Nigerdeltas», zu mehreren Anschlägen gegen Ölmultis bekannt. Sie verlangt, dass mindestens sechzig Prozent der Förderrechte an die BewohnerInnen der Ölgebiete übertragen werden. Davon will man in Abuja nichts wissen: Die Staatseinnahmen hängen zu drei Vierteln vom Öl ab.

Anders als sein Vorgänger scheint es Präsident Buhari mit dem Kampf gegen die Korruption ernst zu meinen. Zudem konnte die Armee die Terrormiliz Boko Haram mit einigem Erfolg zurückdrängen. Doch die Bevölkerung leidet nicht nur unter den Terroristen. Amnesty International hat neue Vorwürfe gegen die Machthabenden erhoben: Staatliche Sicherheitskräfte hätten im letzten Dezember 350 SchiitInnen in der nordnigerianischen Pilgerstadt Zaria ermordet, weitere 350 seien spurlos verschwunden. Auch in anderen Landesteilen kam es zu massiven Übergriffen der Armee.

Muhammadu Buhari wird es kaum schaffen, seine Wahlversprechen einzulösen. Wenn seine Regierung aber weder die Sicherheit erhöhen noch die Wirtschaft differenzieren noch die Bekämpfung der Korruption weiter vorantreiben und die Armut verringern kann, sind weitere Aufstände programmiert.

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