Nr. 28/2016 vom 14.07.2016

«Griezmann, D’Artagnan, Voltaire!»

Etrit Hasler fasst die EM zusammen

Von Etrit Hasler

Was bisher geschah in der Welt des Fussballs:

Der ewige, gottgleiche Präsident des Weltverbands, Sepp der Erste, wurde durch eine kleine Razzia in einem Zürcher Hotel mit Seesicht aus dem Amt geputscht. Seither muss sich der arme Kerl Tumore aus dem Gesicht entfernen lassen und Sportkolumnen schreiben. Nein, die beiden Dinge sind nicht wirklich vergleichbar. Aber auch nicht wirklich verschieden.

Seine Stelle hat in der Zwischenzeit ein Mensch gefüllt, der es sich zum erklärten Lebensziel gemacht zu haben scheint, Blatter den Rang als «korruptester Mensch der Welt» (Zitat Martin Sonneborn, EU-Parlamentarier und WM-Bestecher) schon in seinem ersten Amtsjahr abzulaufen. Während sich sein Vorgänger wenigstens darauf beschränkte, nur seine Liebhaberinnen auf Fifa-Spesen durch die Welt zu fliegen, so ist es bei Gianni Infantino gleich die ganze Familie, die auf Verbandskosten durch die Gegend chauffiert wird – wahrscheinlich, um seine Verbundenheit mit den im Wallis so verbreiteten christlichen Werten zu unterstreichen. Und wo «Blatter nackt!» nur in Satirezeitschriften wie der «Titanic» und der «Schweiz am Sonntag» seinen Unsinn unwidersprochen in der Welt verbreiten darf, kriegt Infantino auch mal eine ganze Seite in der NZZ.

Die Uefa, die übrigens immer noch keinen Präsidenten hat und damit derzeit anscheinend ganz gut läuft, hat derweil wieder mal so ein Fussballturnier veranstaltet. Während sich halb Europa die Mäuler darüber zerreisst, dass die Vergrösserung des Turniers auf 24 Mannschaften eine Verringerung der Qualität zur Folge gehabt habe, zählt die Organisation guten Mutes die zusätzlichen Millionen, die aufgrund des grösseren Teilnehmerfelds reingekommen sind. Das ist schliesslich auch ihr Job.

Um hier mal ganz kurz mit drei der dümmsten Klischees aufzuräumen, die derzeit herumgereicht werden: Nein, Island wäre auch dabei gewesen, wenn nur sechzehn Mannschaften gespielt hätten. Und sein Vorstoss ins Viertelfinal war auch nicht der grösste sportliche Erfolg in der Geschichte des Landes. Das Frauenteam schaffte das schon 2013. Womit wir beim dritten Klischee wären: Doch, das Final zwischen Portugal und Frankreich war das beste Spiel des Turniers. Ich will damit nicht gesagt haben, dass es ein gutes Spiel war. Aber eben: das beste des Turniers.

Dass wir uns richtig verstehen: Ich hatte grosse Freude an der Europameisterschaft. Ich durfte vor und mit grossartigen Menschen ein paar Spiele live kommentieren, weil die Menschen nicht immer Sascha Ruefer und Dani Wyler zuhören wollen. Was ich durchaus nachempfinden kann, obwohl (oder vielleicht gerade weil) ich im Unterschied zu den beiden eigentlich keine Ahnung von Fussball habe. Was ja dem Genuss keinerlei Abbruch tut. Ich zum Beispiel habe das Spiel im ägyptischen Fernsehen gesehen, und ich bin felsenfest überzeugt, dass der Kommentator dabei irgendwann nur noch willkürlich französische Namen aneinanderreihte: «Griezmann, Montesquieu, D’Artagnan, Voltaire!»

Womit vielleicht auch schon klar ist, dass ich bereits wieder meinem Lieblingstagewerk nachgehe, während Sie diese Zeilen lesen: von neun bis siebzehn Uhr am Tauchen, ab siebzehn Uhr im Liegestuhl. Nein, niemand, der bei Verstand ist, nennt das Sport. In diesem Zusammenhang möchte ich meine Zeilen mit einer Liste jener Wettkampfsportarten beschliessen, die von der WHO als uneingeschränkt gesundheitsfördernd eingestuft worden sind:

Nein. Hier fehlt kein Absatz. Schönen Sommer, wünsche ich.

Etrit Hasler blubb blubb blubb. Blubb. Blubb. Blubbblubb blubb. Blubb.

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