Nr. 02/2017 vom 12.01.2017

Mit Bomben gegen Börse und Banken

Von Merièm StruplerMail an Autor:in

Am vergangenen Donnerstag haben griechische Antiterroreinheiten in Athen zwei militante Anarchistinnen festgenommen. Panagiota Roupa, genannt Pola Roupa, und Konstantina Athanasopoulou gehören zur Stadtguerilla Epanastatikos Agonas (EA, Revolutionärer Kampf).

2003 hat die Untergrundgruppe dem US-amerikanischen «Antiterrorkampf» den Krieg erklärt. Seither gab es mehrere EA-Attacken – unter anderem feuerte sie 2007 eine Panzerfaust auf die US-Botschaft in Athen ab. Die USA und die EU setzten die EA daraufhin auf die Liste terroristischer Organisationen. Seit dem Ausbruch der griechischen Finanzkrise verübte die anarchistische Guerilla mehrere Bombenanschläge auf Börse und Banken.

Im April 2010 wurde Roupa verhaftet und sass achtzehn Monate in Untersuchungshaft. «Unser Ziel war es, das wegen der Krise anfällige System so hart wie möglich zu treffen, die politischen Wahlen der griechischen Regierung und die von der Troika implementierten ‹Rettungspläne› zu sabotieren», schrieb sie damals in einem Brief aus dem Gefängnis, den das anarchistische Onlineportal «Contra Info» veröffentlichte.

In den vergangenen Jahren lebte Roupa im Untergrund. Der 48-Jährigen droht eine fünfzigjährige Haftstrafe, zu der sie 2013 in Abwesenheit verurteilt worden war – wegen mehrerer Anschläge, Raubüberfälle und Schiessereien mit der Polizei. Im Februar 2016 hatte sie versucht, mit einem entführten Helikopter ihren Mann Nikos Maziotis, ebenfalls EA-Mitglied, aus einem Athener Hochsicherheitsgefängnis zu befreien.

Der sechsjährige Sohn des Paars wurde am letzten Donnerstag in einem Heim untergebracht. Dagegen protestierten die drei EA-Mitglieder mit einem Hungerstreik: «Die einzigen Terroristen sind der Staat und das Kapital», schrieb die 25-jährige Athanasopoulou in einer Erklärung. «Ich verweigere das Essen und Trinken, bis das Kind meiner Gefährten ihren Verwandten übergeben wird.» Am Sonntag erhielt Roupas Mutter das vorläufige Sorgerecht für den Sohn. Die AnarchistInnen haben den Hungerstreik daraufhin vorerst beendet.

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