Nr. 05/2018 vom 01.02.2018

Die Formel der Versöhnung

Von Donat Kaufmann

Christian Pahud ist so etwas wie das Westschweizer Äquivalent zum St. Galler Musiker und Produzenten Marcel Gschwend alias Bit-Tuner: ein Tausendsassa und Tüftler, äusserst talentiert und scheinbar dauernd schwanger mit irgendeiner Idee. Pahuds erstes grosses Projekt hiess «Honey for Petzi». Geboren 1995 aus dem Geist des Grunge, verabschiedete sich das Trio bald in Richtung introspektiven Math-Rock. Die abgesägten Gitarrenakkorde ungestüm und kalt, das Schlagzeug ruppig, die Stimme oft nicht mehr als ein beiläufiger Kommentar. 2004 gründete Pahud mit der Band Larytta das elektronische Gegenstück zu «Honey for Petzi». Doch was als Labor für verschrobene Pixelmusik begann, entwickelte sich über zwei Alben und mehrere EPs hinweg zu einer Fabrik für agile, mit Afrobeat, Funk und Elektro flirtende Popsongs.

Mit seiner dritten Band, Bombers, versöhnt Pahud nun diese gegensätzlichen Neigungen miteinander. Das eben erschienene Debütalbum «M\W», aufgenommen im Trio mit Marc Blakebrough und Michel Blanc, klingt denn auch wie ein retrospektiver Blick auf sein mittlerweile zwanzigjähriges Schaffen. Da ist Nabelschau-Progrock («Sarcophage», «L’Hippocampe»), da ist organischer Elektro («Good Colors, Bad Shapes») – und da ist Pop: Dass Songs wie «M\W» oder «Overblowing Conversations» so unverschämt direkt daherkommen, mag zwar auch mit den verschnörkelten Instrumentalstücken zu tun haben, von denen sie umgeben sind. Es ist aber auch so nicht von der Hand zu weisen, dass diesen Songs eine aussergewöhnliche Binnenspannung innewohnt.

Gerade das Titelstück «M\W» ist Popmusik in ihrer schönsten Form. Es sucht den Weg zu den grossen Gefühlen, ohne alle zwei Sekunden darauf hinzuweisen (in diesem Fall empfiehlt sich: einfach dem Basslauf folgen). Zur zurückhaltenden Dringlichkeit passt, dass keine epischen Phrasen aufgetischt werden, um weitläufige Themen zu verhandeln. Wenn bei Bombers die sich verändernde Perspektive auf eine Beziehung besungen wird, dann verkehrt sich ganz simpel «the line of the M into a W».

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