Nr. 15/2018 vom 12.04.2018

Interview mit einer Prinzessin

Von Lukas Foerster

Ein paar Einstellungen lang spielt die Kamera Verstecken mit jenem Gesicht, das der Dreh- und Angelpunkt von «3 Tage in Quiberon» ist. Erst sieht man es nur leicht angeschnitten, von der Seite, dann ist es teilweise von Haaren verdeckt – was schliesslich, wenn es sich endlich ganz dem Blick öffnet, den falschen Wiedererkennungseffekt umso wirkungsvoller werden lässt: Marie Bäumer sieht Romy Schneider wirklich erstaunlich ähnlich in diesem Biopic von Emily Atef. Zumindest in der kontrastarmen, streckenweise überbelichtet anmutenden Schwarzweissfotografie, die den Bildern in den interessanteren Momenten des Films einen flirrenden, ausserweltlichen Glanz verleiht.

In den weniger interessanten, leider deutlich zahlreicheren Momenten schaut «3 Tage in Quiberon» aus wie die Imitation eines Home Movie. Dabei wird ein «Blick hinter die Kulissen» vorgetäuscht, um endlich die «echte» Romy Schneider hinter dem «falschen» Klischeebild der gefallenen Sissi-Prinzessin zum Vorschein zu bringen. Der Film protokolliert den Verlauf des letzten grossen Interviews, das 1981 mit der Schauspielerin geführt wurde.

Im Kurhotel in der Bretagne, wo sie sich zwecks Erholung und Entgiftung aufhält, empfängt sie den nicht unbedingt vertrauenerweckenden «Stern»-Reporter Michael Jürgs (Robert Gwisdek); mit dabei sind auch ein ihr ausserordentlich zugetaner Fotograf sowie eine alte Freundin aus Deutschland. Es geht einerseits, ganz direkt, um einen Kampf ums Bild, um Schneiders Versuche, der abschätzigen, voyeuristischen Berichterstattung der deutschen Medien über ihr Leben eine eigene Perspektive entgegenzusetzen. Andererseits darf man sich schon fragen, weshalb Jahrzehnte später im Kino ausgerechnet diese Rechnung beglichen werden soll. Irgendwo ist in «3 Tage in Quiberon» ein anderer, schönerer Film verborgen, einer, der nicht vom überlebensgrossen Star Romy Schneider handelt, sondern von vier auf unterschiedliche Art einsamen Menschen, die sich in einem Hotel begegnen und aneinander verzweifeln.

Jetzt im Kino.

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