13.04.2000

Chronologie übrige Schweiz

Recherchen: Claudia Graf

4. 7. 1980 Bülach. Demonstration für ein Jugendhaus. Die Bezirksanwaltschaft Bülach erhebt Strafanklage gegen acht Personen wegen Behinderung des öffentlichen Verkehrs und Teilnahme an einer nicht bewilligten Demonstration.
29. 7. 1980 St. Gallen. Eine Bewegung der 9000 Drahtzieher verfasst das Communiqué «Wir lassen uns nicht uperisieren!» In St. Gallen treffen sich seit drei Wochen gegen hundert Leute regelmässig, um ihre Situation zu diskutieren: «Isolation, Kaputtsanierung unseres Lebensraumes, allgegenwärtiger Konsumzwang. Für Autobahnen, Parkgaragen und sonstige profitträchtige Unternehmungen wird alles getan, während elementare Lebensbedingungen bewusst zerstört werden. Wir wehren uns gegen die Angriffe auf unser Leben!»
30. 9. 1980 Lausanne. Bewegtes Wochenende. Einige 100 junge Leute demonstrieren für ein AJZ und Demonstrationsfreiheit.
4. 10. 1980 Lausanne. An diesem Samstag sind 500 DemonstrantInnen auf den Strassen Lausannes und verursachen hohen Sachschaden. Gefordert wird weiterhin ein AJZ und die Einstellung der Strafverfahren gegen die in der vorangegangenen Woche Verhafteten.
5. 10. 1980 Zug. 200 Jugendliche stimmen an einer Vollversammlung einer Resolution zu, welche die Zuger Jugendbewegung zu einer gewaltlosen erklärt. Die Zuger Jugend nimmt ein Verhandlungsangebot der Stadt an und schickt sechs Delegierte.
18. 10. 1980 Winterthur. Am Rande einer bewilligten Demonstration von 600 bis 1000 DemonstrantInnen gegen den «Atomexport der Firma Sulzer» kommt es zu einer Schlägerei zwischen Jugendlichen und Polizisten.
18. 10. 1980 Lausanne. 300 Personen besammeln sich zu einer Demo, besetzen ein Haus und erklären es zum AJZ. Die Polizei beendet die Besetzung und nimmt die abziehenden BesetzerInnen mit Wasser und Tränengas unter Beschuss.
25./26. 10. 1980 Lausanne. Die Bewegung «Lausanne bouge» beschliesst, Verhandlungen aufzunehmen, und richtet ein Schreiben an den Stadtpräsidenten Delamuraz. Gefordert wird ein AJZ für 500 Personen und eine Amnestie für die Verhafteten.
8. 11. 1980 Lausanne. Nach einer Demonstration mit 600 TeilnehmerInnen kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.
8. 11. 1980 Luzern. Jugendliche treffen sich im Jugendhaus Wärchhof zu einer Vollversammlung, gründen Arbeitsgruppen und diskutieren Aktionen.
15. 11. 1980 Luzern. 300 Personen demonstrieren gegen «herrschende Missstände im Ausbildungswesen und im Kulturbereich» sowie gegen das «Umfunktionieren günstiger Wohnhäuser in Büro- und Luxusappartementsilos».
20. 12. 1980 St. Gallen. Nachdem eine Vollversammlung im dafür vorgesehenen Lokal nicht abgehalten werden konnte, formiert sich eine Demo auf der Suche nach Örtlichkeiten für ein AJZ.
24. 12. 1980 Burgdorf. Der Burgdorfer Stadtrat erhält Besuch von der unzufriedenen Jugend und wird durch ein Flugblatt aufgefordert, ein Jugendhaus bereitzustellen.
1. 1. 1981 Zug. Etwa 20 Jugendliche treten in einen Hungerstreik, da trotz Versprechungen kein Jugendzentrum zur Verfügung gestellt worden ist.
13. 1. 1981 St. Gallen. Der Stadtrat verkündet an einer Versammlung der Unzufriedenen, die Stadt wolle ein Lokal für ein AJZ zur Verfügung stellen. Die Trägerschaft sei frei zu wählen, der Ort dürfe aber kein rechtsfreier Raum werden und zu Klagen Anlass geben.
23. 1. 1981 Solothurn. Anlässlich der Vorführung von «Züri brännt» an den Solothurner Filmtagen sucht die Zürcher Bewegung die Altstadt von Solothurn mit einer Sprayaktion heim.
9. 2. 1981 Wetzikon. Der «Zürcher Oberländer» vermeldet, dass ihre Druckerei mit Farbbeuteln beworfen und mit dem Spruch «Wer nicht hören will, muss fühlen» besprayt worden ist. Die Zeitung hatte eine Woche zuvor das Foto einer Demonstrantin in Zürich gebracht, die durch ein Gummigeschoss am Auge schwer verletzt worden war. Das Foto war mit eben dieser Bildlegende versehen worden.
28. 2. 1981 Lausanne. «Lausanne bouge» besetzt ein Haus und erklärt es zum provisorischen AJZ.
13. 3. 1981 St. Gallen. Die «St. Güller»-Bewegung der Unzufriedenen bekommt von den Stadtbehörden ein Abbruchobjekt als Autonomes Jugendzentrum zur Verfügung gestellt. Die Übergabe wird schnell und unbürokratisch abgewickelt. Allerdings ist es eine Lösung auf Zeit, da im Herbst am Ort des AJZ eine Strasse gebaut werden soll. Das AJZ wird im Frühling 1981 rasch zu einem Treffpunkt mit eigener Bar, zum Veranstaltungsort für Konzerte und Filmvorführungen sowie zum Zentrum politischer Diskussionen.
28. 3. 1981 Wohlen. 40 Personen besetzen ein Haus, werden aber von einer nicht genauer beschriebenen «Gruppe Jugendlicher» wieder rausgeworfen.
30. 3. 1981 Wohlen. Das Haus wird von den BesetzerInnen zurückerobert. Die Erbengemeinschaft, der das Objekt gehört, stellt es vier Wochen probeweise zur Verfügung. Die Gemeinde Wohlen befürchtet, dass Hausbesetzungen Schule machen könnten.
4. 4. 1981 Thun. 20 Leute ziehen durch Thun und verteilen Flugblätter. Sie legen Protest ein gegen die Jugendhauspolitik der Stadt Thun.
18. 4. 1981 Baden, Aarau, Lenzburg. Jugendprotest im Kanton Aargau: In Baden werden Häuser besetzt, in Aarau protestieren junge Leute gegen Häuserabbruch und den Bau von Expressstrassen, und in Lenzburg fordern Jugendliche ein Jugendhaus.
Mai 1981 St. Gallen. Der Funke vom AJZ springt über in die Nachbarschaft, und es kommt zu einer Reihe von Besetzungen in St. Gallen. Mehr als einen Monat sind die dem Abbruch geweihten «Arbeiterhäuser» besetzt. Die Besetzung löst eine heftige politische Kontroverse über Wohnungsnot aus. Nach einem Monat werden die besetzten Häuser geräumt.
10. 6. 1981 Bülach. Der «Tages-Anzeiger» berichtet von den Prozessen gegen zwei Männer, die wegen eines am 4. 7. 1980 durchgeführten unbewilligten Sit-ins für ein Jugendhaus zu bedingten Gefängnisstrafen verurteilt wurden.
12./13. 6. 1981 Luzern. Im Abbruchquartier Buobenmatt kommt es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei wegen Nachtruhestörung. In Luzern finden fast jedes Wochenende Demonstrationen statt.
19. 6. 1981 Lausanne. Die Lausanner Untersuchungsbehörden veranlassen eine Hausdurchsuchung im AJZ an der Rue Saint-Martin 14. Gesuchte Personen werden festgenommen und Drogen beschlagnahmt. Die Stadtbehörden überlegen sich die Schliessung.
3. 10. 1981 Lausanne. Die NZZ berichtet von einer erneuten Hausdurchsuchung im AJZ in Lausanne.
Oktober 1981 St. Gallen. Im AJZ kommt es immer häufiger zu Problemen mit Rockergangs, den Nachbarn und mit dem Geld. Erfolglos fordern die Jugendlichen: «Betriebsgeld muss her!» Das Haus wird unbenutzbar und brennt völlig aus – kurz bevor der Mietvertrag ausläuft. Die St. Galler Bewegung erhält die Grabenhalle als alternatives Kulturzentrum.

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