Nr. 34/2015 vom 20.08.2015

Genf und Bern

Von Stephan Müller

GE (11 Sitze): 
Linke: Sitzverlust

Kanton Genf Grafiken: WOZ; Quelle: Bundesamt für Statistik

Im Kanton Genf braucht es 8,3 Prozent der Stimmen für einen sicheren Nationalratssitz. 2011 erreichte die Linke mit 39,6 Prozent fünf Sitze, das Bündnis FDP/CVP/GLP mit 31,6 Prozent drei, die SVP zwei und der rechtspopulistische Mouvement Citoyens Genevois (MCG) einen Sitz. Die Linke gewann äusserst knapp vor Mitte-rechts das letzte Restmandat.

2015 bleibt das Linke- wie das Mittebündnis bestehen, wobei Letzterem die BDP beitritt. Rechts aussen verbinden sich neu die SVP, der MCG und die EDU. Bei den Grossratswahlen 2013 verlor die Linke über 8 Prozentpunkte (davon die Grünen über 6), Mitte-rechts blieb stabil, das Rechtsaussenbündnis gewann mehr als 6 Prozentpunkte dazu (davon 4,5 der MCG). Die elf Nationalratssitze werden sich 2015 somit wohl auf je vier Sitze für die Linke und Mitte-rechts sowie drei Sitze für Rechtsaussen aufteilen. Innerhalb der Bündnisse dürften rechts neu zwei Sitze an den MCG gehen, dafür nur noch einer an die SVP; im Mitte-rechts-Bündnis dürfte die FDP neu drei Sitze gewinnen, die CVP wie bisher einen; im Linksbündnis verlieren die Grünen sicher einen und wohl auch die SP ihren dritten Sitz an die diesmal vereinte Liste Solidarités/PdA. Letztere hätten schon 2011 einen Sitz auf Kosten der SP gemacht, wenn sie nicht getrennt angetreten wären.

BE (25 Sitze):
 Linke: Sitzverlust droht

Kanton Bern Grafiken: WOZ; Quelle: Bundesamt für Statistik

Im Kanton Bern braucht es für einen sicheren Sitz 3,85 Prozent der Stimmen. Die BDP und das bisherige Mittebündnis GLP/EVP/CVP schliessen sich neu zusammen, ebenso rechts aussen die EDU mit den SD. Die FDP kandidiert wie bisher allein. Das linke Bündnis SP/Grüne/PdA und das rechte Bündnis SVP/AP (Alpenparlament) bleiben unverändert. Das Linksbündnis schlug 2011 das SVP-Bündnis sehr knapp mit 29,5 zu 29,4 Prozent der Stimmen und sicherte sich so das letzte Restmandat (9 zu 8 Sitze). Da Bern dieses Jahr nur noch 25 statt 26 Nationalratssitze stellen darf (Bevölkerungsentwicklung), verliert die Linke höchstwahrscheinlich dieses Mandat. Bleibt die SP mehr als doppelt so gross wie die Grünen, verlieren Letztere den Sitz.

Doch auch die sieben Mandate der Mitte sind nicht sicher, da die BDP 4,8 Prozentpunkte bei den Grossratswahlen 2014 verloren hat. Solange die BDP aber mehr als doppelt so viele Stimmen wie die GLP erreicht, ginge ein Sitzverlust auf Kosten der GLP. SVP und FDP müssen für Sitzgewinne Stimmen dazugewinnen, die FDP über 2,8 Prozentpunkte für einen dritten Sitz. Die EDU (inklusive SD) hat reelle Chancen auf einen Sitz. Hätte es diese Listenverbindung schon 2011 gegeben, hätte die EDU das letzte Restmandat gewonnen.

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