Nr. 12/2017 vom 23.03.2017

Was habt ihr getan?

Hans Widmer

Ein bolo für Zürich

«Wir kannten uns schon von der Besetzung des Stauffachers in den achtziger Jahren. Jetzt wollten wir etwas Dauerhaftes. Das Escher-Wyss-Areal, damals grösstenteils Industriebrache, schien uns geeignet. 1993 veröffentlichten der Architekt Andreas Hofer, der Künstler Martin Blum und ich unseren Plan – 700 Bücher mit einem Talon zum Zurückschicken. Das Echo war gross. 1995 gründeten wir die Bau- und Wohngenossenschaft Kraftwerk 1, 2001 waren die Häuser bezugsbereit. Zuerst ein Konzept erarbeiten, dann Leute suchen, die mitmachen wollen – das war eine gute Strategie.»

Hans Widmer ist Schriftsteller, Erfinder der Utopie «bolo’bolo» und Mitgründer der Genossenschaft Kraftwerk 1 in Zürich West.

Claudia Kaufmann

Ein Gleichstellungsgesetz für die Schweiz

«Seit 1981 steht das Prinzip ‹gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit› in der Bundesverfassung. Trotzdem gab es in der Folge nur wenige Lohnklagen von Frauen. Aufgrund zweier Vorstösse von Nationalrätin Yvette Jaggi zu dieser Diskrepanz setzte Bundesrätin Elisabeth Kopp 1985 eine Arbeitsgruppe ein, in der auch ich mitarbeitete. Deren Lohngleichheitsbericht zeigte, wie Diskriminierungen in allen Lebensbereichen zusammenhängen und welches – bis heute – die Hürden für Diskriminierungsklagen sind: Scham, Exponiertheit, Beweisschwierigkeiten, Kostenrisiko, zu lange Verfahren. Unser Fazit: Die Schweiz braucht ein Gleichstellungsgesetz für den gesamten Erwerbsbereich, nicht nur für Lohnfragen.

Die nationalrätliche Kommission tat sich schwer mit dem Gesetz, machte wichtige Abstriche. Vor allem der Artikel zur sexuellen Belästigung am Arbeitsplatz wurde bekämpft – teils mit Männerwitzen aus der untersten Schublade. Es war die ständerätliche Kommission, die nicht zuletzt dank des klugen Engagements von Josi Meier das Gesetz wieder auf Kurs brachte. Zwei Faktoren halfen uns sehr: Erstens machte die in den achtziger Jahren starke Frauenbewegung Druck. Zweitens entschied der Bundesrat, dass auch nach dem Nein zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) die Schweizer Rechtsordnung ‹europafähig› sein solle. Die EU kannte verbindliche Gleichstellungsrichtlinien, die Richtschnur für das Gleichstellungsgesetz waren. 1996 trat das Gesetz in Kraft.»

Claudia Kaufmann ist Juristin, war erste Leiterin des Eidgenössischen Gleichstellungsbüros und Generalsekretärin des Eidgenössischen Departements des Innern. Heute ist sie Ombudsfrau der Stadt Zürich.

Rolf Heusser

Ein Hoch auf die Community

«‹Wir haben die verbrecherische Lust, ein Kino zu bauen› – mit diesem von Christoph Schlingensief adaptierten Motto und freudiger Naivität haben wir in Winterthur das ‹Cameo› auf die Beine gestellt: kuratiertes Reprisenprogramm, Arthouse-Neuheiten, regelmässige Gespräche mit Filmschaffenden. Dahinter stecken fünf Jahre Entwicklung und Fundraising. Überzeugt haben wir letztlich wohl mit einer Mischung aus emotionalem Engagement und gut durchdachtem Dossier: Grundstückbesitzer, Architekten und Ingenieure – sie alle liessen sich begeistern und unterstützten unser Projekt mit Spezialkonditionen. Die Leinwand finanzierten wir mit Crowdfunding. Überhaupt die Community, sie ist das Wichtigste: Siebzig Leute arbeiten ehrenamtlich mit, das Kino wurde von Beginn weg förmlich überrannt.»

Rolf Heusser, Projektkoordinator Kino Cameo, Winterthur

Hansuli Huber

Kühe auf die Weide!

«Der Staat muss die Ökologie und den Biolandbau fördern! Das forderten viele, als Anfang der neunziger Jahre die Schweizer Agrarpolitik grundlegend reformiert wurde. Ja, aber das Tierwohl auch, fanden Heinzpeter Studer von der Nutztierschutzorganisation Kagfreiland und ich. Zum Glück konnten wir den damaligen Vizedirektor des Bauernverbands überzeugen. In einer Arbeitsgruppe des Bundesamts für Landwirtschaft erarbeiteten wir die Details des Programms ‹Regelmässiger Auslauf im Freien (Raus)›. Heute steht die Förderung des Tierwohls in der Verfassung, und über achtzig Prozent der Milchkühe dürfen dank Raus auf die Weide. Der Staat honoriert das mit 190 Franken pro Kuh und Jahr. Neben der Bioförderung ist Raus wahrscheinlich das Direktzahlungsprogramm, das am meisten ausgelöst hat.»

Hansuli Huber, Schweizer Tierschutz

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