Nr. 01/2006 vom 05.01.2006

Fast erpresserischer Aufruf!

Selbst-Anzeige

Von Niklaus Meienberg

Habe mein Volontariat auf der WoZ beendet. War den Dezember über dort. Hat mir gefallen. Klima gesund, d.h. manchmal rauh. (Aber nicht, weil ein Verleger murrt oder die Geschäftsleitung eingreift.) Lohn schlecht, aber genügend. Man wird nicht bewundert, sondern gebraucht. Anregungen den ganzen Tag. Viel schöner Streit, keine Gallenkoliken. Bin gefördert worden, konnte auch paar An-Stösse geben. Fast keine Hierarchie. Trotzdem oder deswegen Kritik (gegenseitig) in der Redaktion; meist von der bekömmlichen Art, Entwicklungsmöglichkeiten.

Höre oft (von Schriftstellern & Journalisten): Gut, dass es die WoZ gibt!

Was machen die Kolleginnen und Kollegen, damit es die WoZ gibt?

Fordere sie also auf, für die WoZ zu schreiben. Immer zuerst an die WoZ denken! (Wenn sie einmal etwas nicht nimmt, können immer noch «Tagi» oder «Weltwoche» berücksichtigt werden.) Möchte jedem Schriftsteller und/oder Journalisten, der die WoZ lobt, ihr aber zugleich nie etwas gibt, auf diesem Weg ein schlechtes Gewissen verschaffen. Erpressung als Marketing.

Ich weiss: kleine Auflage, kleine Honorare, man kommt weniger unter die Leute als im «Tagi».

Aber: Die WoZ wird intensiver und pro Exemplar von mehr Leuten gelesen als die grossen Zeitungen. Ausgesprochenes WG-Blatt. Wenn man bedenkt, dass wir jetzt immerhin eine Auflage von 20 000 haben und dass z.B. das Feuilleton des «Tagi» 50 000 Leser findet (etwa 20% der Gesamtleserschaft), ein gut geschriebener Kultur-Artikel in der WoZ aber doch mindestens die Hälfte davon: So darf man wieder einmal unterstreichen, dass der Wirkungsbereich einer Zeitung nicht einfach der Auflage proportional ist.

Und wenn es darum geht, nicht nur für die Eingeweihten zu schreiben: Auch in «Tagi» oder «Weltwoche» wird das Feuilleton vor allem von den Komponenten des sogenannten Kulturkuchens gelesen.

Punkto Geld: Von den WoZ-Redaktoren könnten einige mehr verdienen, würden ohne weiteres eine Stelle bei grösseren Unternehmen (Radio, TV, Zeitungen) finden: finden es aber wichtig, dass die WoZ existiert, und erwarten also von den frei-schaffenden Kollegen hin & wieder ein Manuskript.

(Das ist kein moralischer, sondern ein politischer Appell. Die WoZ muss mehr Macht bekommen, also die Auflage steigern.) Je mehr brillante Mitarbeiter, desto besser die WoZ; je weniger, desto ausgepumpter die WOZ-Redaktion, weil sie dann zuviele Artikel selbst herstellen muss.

Die Redaktion macht diese Zeitung nicht, weil sie zur Selbstkasteiung neigt und gern wenig verdient, sondern, weil das Schreiben in Freiheit Spass macht. Sie ist so frei, Lust zu empfinden. Deshalb glaubt sie, dass auch den FREIEN Mitarbeitern das unzensurierte Schreiben ziemlich viel Lust, evt. auch Befriedigung, bringt oder bringen könnte.

Kleines Honorar, grosser Lust-Gewinn.

Und man ist in anregender Gesellschaft. Martin Kilian z.Bsp., der Washingtoner-Korrespondent, vermittelt ein Amerika, das es in andern Zeitungen kaum gibt. Corinne Schelbert, die im «Tages-Anzeiger» oft die bestern, weil unbefangensten Film-Kritiken schreibt, gehört ab Mai 1984 zur WoZ-Redaktion. Bernhard Schneidewind besorgt eine treffliche Berlin-Korrespondenz. Al Imfeld, der hoch renommierte Afrikanist, wird regelmässiger Mitarbeiter, noch regelmässiger als bisher. Und besteht auch gute Hoffnung, dass Lothar Baier, unlängst mit dem Améry-Preis für den besten deutschen Essay dekoriert, Beiträge liefert. Und Sybille Elam hat die Tagesschau beim Fernsehen verlassen, um ab Februar bei der WoZ zu arbeiten. Und Fritz Senn, der grosse Joyce-Forscher, hat bereits für diese Nummer der WoZ … (vgl. Seite 19).

Auch ein Volontariat von 1, 2, 3 Wochen wäre förderlich für die Herren und Frauen Kollegen, und für die WoZ. Die Redaktion braucht Kritik, körperliche Präsenz von Leuten, die schreiben können und Manuskripte acquirieren und sich einige Zeit in der Redaktion niederlassen und Ideen bringen. Ohne frische Zulieferung vertrocknet die Redaktion. Für eine körperliche Präsenz (verbunden mit geistigen Stimulanten) von einem Monat bietet die Redaktion ein normales WoZ-Salär von neu SFr. 2000.-, für eine Woche dementsprechend SFr. 500.-. Auch für die inhaltliche Blattkritik, die jeweils am ersten Donnerstag im Monat stattfindet, werden scharfsinnige Gäste gesucht.

Also dann, bis bald.

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