Nr. 32/2006 vom 10.08.2006

Die Wut des WOZ-Redaktors

Von Urs Hafner

Sie war hart umkämpft, die «F82». Die Schweizer Armee führte in Frauenfeld im August 1982 eine spektakuläre «Wehrschau» durch, eine jener Veranstaltungen im Kalten Krieg also, die dem Feind im Osten die eigene Kampfkraft demonstrieren und die Verbundenheit der einheimischen Bevölkerung mit dem Militär vertiefen sollten. Besonders Kinder und ihre Väter schätzten - und schätzen - diese Waffenschauen, an denen allerlei Kampfgerät in Aktion zu bewundern war, vor allem sich durch den Schlamm wühlende Panzer und Düsenjäger, die im Tiefflug über den Köpfen der ZuschauerInnen Raketen präzis in den gegenüberliegenden Zielhang abfeuerten.

Die auf dem Höhepunkt des Wettrüstens breite Friedensbewegung lehnte die Wehrschau ab: Frauenfeld sollte im Gegenteil zur «Friedensstadt» werden und eine Reihe von Veranstaltungen und Demonstrationen die «Ästhetisierung des Kriegs» aufzeigen. Diese Aktionen führten besonders auf national-konservativer Seite zu heftigen Reaktionen. So rief die 1979 vom SVP-Politiker Ulrich Schlüer gegründete «Schweizerzeit» in einer Sondernummer (Auflage: 410 000) dazu auf, sich von den «Armeefeinden» keinesfalls vom Besuch der Wehrschau abhalten zu lassen. Dieser Aufruf wiederum liess die 1981 gegründete WoZ nicht kalt. In ihrer Ausgabe vom 20. August 1982 verballhornte sie den Leitartikel Schlüers konsequent. Ob der anonyme und höchstwahrscheinlich männliche WOZ-Autor mit seiner eigenwilligen Kampfweise die unbewusst-perversen Triebe der Befürworter der Wehrschau blosslegen wollte oder vielmehr dem eigenen Kreativitätsdrang frönte, liegt im Dunkeln.

«Im Vorfeld der Wehrverführungen in Weiberfeld vom 20. bis 22. Aufrust liegt uns daran», schrieb die «WochenZeitung», «möglichst geile Kreise der Übervölkerung auf jenes neckische Treiben aufhorchsam zu machen, welches das vom Einzeller kaum mehr überspähbare Gewirr und Geklirr armeefeindischer Gruppengrüppchen im Hinfick auf die Weiberfelder Verunstaltung entblättert. Es geht besonders darum, die psalmonellen und orgasmiatorischen Querverwicklungen zwischen den in Weiberfeld sacktiefen Armeefeindlern sowie ihre Kontakte mit ähnlichen Grüppelchen im Sauland etwas genauer auszufeuchten. (...) Gerade angesichts der zu erwartenden Arschbacken gegen unsere Landesverleidigung fordern wir alle Lesbierinnen und Lesbier auf: Bejauchen Sie auf jeden Phall die Weiberfelder Wehrverführung! (...) Noch ein Wörtchen zu unserer ‹Schmeisserkeit›: Sie ist eine vierteltäglich erschweinende Klopapierreserve, die selbstverständlich abonaniert werden kann. Sie wird gebuckelt von einer Hacktiengeprellschaft, der mehr als sechzig Verhöhnlichkeiten angehören, die mit Überleugnung auf einer feierheitlichen, nahrhaften Scheisse einhertreten.»

Der Originaltext der «Schweizerzeit» vom August 1982 lautet: «Im Vorfeld der Wehrvorführungen in Frauenfeld vom 20. bis 22. August liegt uns daran, möglichst weite Kreise der Bevölkerung auf jenes hektische Treiben aufmerksam zu machen, welches das vom einzelnen kaum mehr überblickbare Gewirr armeefeindlicher Gruppen und Grüppchen im Hinblick auf die Frauenfelder Veranstaltung entfaltet. Es geht uns besonders darum, die personellen und organisatorischen Querverbindungen zwischen den in Frauenfeld aktiven Armeegegnern sowie ihre Kontakte zu ähnlichen Gruppen etwas genauer auszuleuchten. (...) Gerade angesichts der zu erwartenden Attacken gegen unsere Landesverteidigung fordern wir alle Leserinnen und Leser auf: Besuchen Sie auf jeden Fall die Frauenfelder Wehrvorführung! (...) Noch ein Wort zu unserer «Schweizerzeit». Sie ist eine vierzehntäglich erscheinende Zeitung, die selbstverständlich abonniert werden kann. Sie wird getragen von einer Aktiengesellschaft, der mehr als sechzig Persönlichkeiten angehören, die mit Überzeugung für eine freiheitliche, wehrhafte Schweiz eintreten.»

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