Nr. 40/2006 vom 05.10.2006

WOZ-Fest vom 7. Oktober 2006

Programmübersicht

Samstag, 7. Oktober, ab 16 Uhr Zürich, Rote Fabrik

AKTIONSHALLE

Moderation: Big Zis & Greis (www.bigzis.com / www.chlyklass.ch)
16 Uhr, Konzert: Schtärneföifi (www.schtaerne5i.ch)
20.30 Uhr, Konzert: Namusoke & C-Breeze (www.namusoke.ch)
22.30 Uhr, Konzert: Allschwil Posse & Allschwil Pussies (www.allschwilposse.ch)
23.30 Uhr: DJ Crown Propeller (Vorraum Aktionshalle) (www.jazzdocumentation.ch/solidsenders.html)

CLUBRAUM

19.30 Uhr, Lesung: Reto Hänny (www.suhrkamp.de)
20.15 Uhr, Lesung & Musik: Raphael Urweider & Hans Koch
21 Uhr, Lesung: Isolde Schaad (www.limmatverlag.ch)
21.45 Uhr, Lesung & Musik: Peter Weber & Die Firma (www.suhrkamp.de / www.marinopliakas.com)
22.45 Uhr, Konzert: Lucas Niggli & Wu Wei (www.lucasniggli.ch)
24 Uhr: DJ Pfahlbauer, DJ Göldin, DJ Störsender

SHEDHALLE

WOZblicke - Fotos aus 25 Jahren WOZ. Ausstellung noch bis So, 8. Oktober. Di bis So, 14 bis 18 Uhr, am Sa, 7. Oktober (WOZ-Fest) auch abends.

Rote Fabrik: Seestrasse 395, 8038 Zürich, Tel 044 485 58 58, www.rotefabrik.ch
Kassenöffnung 15 Uhr

Nähere Informationen:

Namusoke & C-Breeze / Allschwil Posse & Allschwil Pussies / DJ Crown Propeller / Big Zis & Greis / Reto Hänny / Raphael Urweider & Hans Koch / Isolde Schaad / Peter Weber & Die Firma / Lucas Niggli & Wu Wei / DJ Pfahlbauer, DJ Göldin, DJ Störsender / WOZblicke - Fotos aus 25 Jahren WOZ

AKTIONSHALLE

Schtärneföifi

Die Kleinen - und von denen gibt es ja laufend neue - müssen bei einem Schtärneföifi-Konzert ganz schön auf Draht sein. Jeder Song ist eine neue Geschichte, voller Anspielungen und handelt von Erlebnissen, wie jedes Kind sie kennt. Alle haben irgendwann mit dem Lehrer Pfister Bekanntschaft geschlossen und vergeblich vom rettenden Helikopter geträumt. Aber auch die Schtärneföifis müssen ganz schön auf Draht sein. Die etwas Grösseren - und auch die kommen mit schöner Regelmässigkeit nach - sind gnadenlos, wenn Sybille oder Boni mal eine Textzeile nicht genau treffen. Sie geben es postwendend dem Lehrer Pfister zurück: «En Aff isch en Aff isch en Aff.» Schtärneföifi ist Lebensschule, hilft im Schulalltag, bei den «Uufzgi» und in der Freizeit, erweitert nebenbei noch den musikalischen Kosmos. Spielt den «Seiltanz» zu kubanischen Rhythmen und gibt gleich die Schrittfolge an. Schtärneföifi sorgt dafür, dass dem FC Zürich die Fans nicht ausgehen und auch die Spieler das Wichtigste nicht vergessen: «Aber jetzt los, de Bölle mues is Gool, jetzt ränned doch emal ...». Die Schtärneföifis geben den Kids so manchen Tipp, der den Eltern vielleicht nicht immer gefällt, sodass ihnen nur noch bleibt, «Ohni Znacht is Bett» zu schreien. Aber diesen Song kennen sowieso schon alle, egal, wie alt sie sind.

Namusoke & C-Breeze

Namusoke, die Zürcher Sängerin mit Wurzeln in Tansania, steht zusammen mit der C-Breeze-Band auf der Bühne. Erste gemeinsame Auftritte fanden Anfang Februar statt, bei denen auch gleich ihre Debüt-CD getauft wurde, die auf dem Label von Talvin Singh erschienen ist. In den vergangenen Monaten sind weitere Auftritte dazugekommen, eine ganze Reihe davon in der französischen Schweiz. Die Band ist stärker zusammengewachsen, und die Musik zwischen Soul, Afrobeat, Hip-Hop, Reggae und Ragga wirkt relaxend. Der Gitarrist Joseph Tetteh-Quaye, Robert Chonia an den Keyboards, der Bassist Leon Duncan und die beiden Perkussionisten Sylvain Petit und Junior Edward sorgen für einen Sound, der von vielen Küsten erzählt. Namusoke wechselt mit einer geschmeidigen Altstimme zwischen den Genres. Mit souligem Touch mäandert sie durch die Songs, lässt Rhythm ‘n’ Blues anklingen, erinnert gelegentlich an Joan Armatrading, kippt von einem fiebrigen Rap in entspannten Reggae. Mit der 12-inch «Murder Time», die 2003 erschien, und der ein Jahr später folgenden Mini-CD «Survive» hat Namsuoke den Weg vorbereitet. Dazwischen war sie als Gast bei Bio Bonsaï, King Kora und anderen zu hören, hat sich so im Gespräch gehalten. «Do Something Different», der Titel eines ihrer Songs, steht für eine Seconda, die sich nicht gross um Konventionen schert und ihren Weg geht. Urban Soul zwischen Daressalam und Zürich Höngg für «Night Rider» und «Homeys and Sistas» jeden Alters.

Allschwil Posse & Allschwil Pussies

Eigentlich wollten MC Folio und VR Horny vor fünf Jahren das Projekt Allschwil Posse aufgeben und fortan als Boni Koller und Bubi Rufener durchs Leben tanzen. Doch die Welt hat es nicht zugelassen. Oder kann man Polizeiaktionen, wie diejenige vom 5. Dezember 2004 in Zürich gegen die Fans des FC Basel, einfach auf sich sitzen lassen? «Kessel vo Altschtette» war die Antwort der Posse, die 1995 als Revolting Allschwil Posse begann. Sie hat damals mit der EP «Strictly Gangsta» nicht nur die Basler Hip-Hop-Szene verunsichert. Besorgte LehrerInnen setzten sich dafür ein, dass der «Drogen verherrlichende» Song «Summer» nicht mehr im Radio gespielt werden durfte. Inzwischen ist längst bekannt, dass Allschwil nicht die Welt ist, aber für die Welt und die urbane Peripherie steht. Abwechslung schafft da ein «Weekend in Züri», natürlich im Kreis 4, dort an der Langstrasse, wo es alles gibt, von Spanischer Fliege über Berner Platte bis zur Leberzirrhose. Die neue CD «Easy Rider» ist deutlich näher bei «echtem» Hip-Hop angesiedelt, und in ihren Liveshows werden sie von den Allschwil Pussies auf Touren gebracht. Die beiden Schwestern aus Miami sind Teil eines Reintegrationsprojekts für straffällige Jugendliche der Region Basel. Kylie Shneeday und Kaye Totum sind dann allerdings in der lokalen Szene untergetaucht und machten sich schnell einen Namen als geschäftstüchtige Tänzerinnen.

DJ Crown Propeller

Die WOZ beschäftigt unzählige SpezialistInnen. Crown Propeller zum Beispiel weiss mehr als die gesamte Bevölkerung von Appenzell (Ausserrhoden und Innerrhoden, ProtestantInnen und KatholikInnen) über den auf den Saturn entschwundenen Sun Ra und sein Arkestra. Aber er ist auch auf Doo Wop, Jump, Jazz & Jive von obskuren 78-Touren-Schellacks spezialisiert. Er spielt schräge A-cappella-Formationen, Vintage Rhythm ‘n’ Blues. Vor allem weiss er aber, wie man das alles in eine tanzbare Form giesst. Leute, die das Zürcher Helsinki kennen, kennen auch DJ Crown Propeller - strictly vinyl!

Big Zis & Greis

Normalerweise schreiben Big Zis und Greis engagierte und witzige Kolumnen für die WOZ. Aber das tun sie erst, seit sie sich rappend einen Namen gemacht haben. Beide sind - ebenso wie Göldin, Allschwil Posse und Namusoke - auf dem «Rock Down Asyl- und Ausländergesetz»-Sampler vertreten. Über ihre Kolumne unterhalten sich Big Zis und Greis über virtuelle Freundschaften in My Space, die Top-Friends-Liste und die Folgen. Big Zis hat sich am 14. April eingeklinkt und verzeichnete am 17. September bereits 3813 «Profile Views». Am WOZ-Fest stehen sie wieder gemeinsam auf der Bühne. Das könnte der Beginn einer wunderbaren Freundschaft werden. «Schau mir in die Augen, Kleines!»

CLUBRAUM

Reto Hänny

Der Schriftsteller Reto Hänny berichtet von Ereignissen, die ihn zum Beteiligten gemacht haben. Er ist Erzähler, nicht Reporter. Die Subjektivität bleibt im Spiel, seine Texte sind Anschauung und Geschichte, Gegenwart und Vergangenheit, Politik und Prosa. Die Chronologie der Ereignisse wird aufgebrochen und in neue Zusammenhänge gebracht. Momentan arbeitet er an einer neuen Fassung von «Flug». Der Roman ist 1984 erstmals erschienen. Die neue Version wird nächstes Frühjahr in der Bibliothek Suhrkamp veröffentlicht. Christoph Neidhart schrieb über den in Zollikon lebenden Schriftsteller: «Für ihn ist der gedruckte Text eine (in einem beinahe willkürlichen Moment) eingefrorene Fassung eines ‹work in progress›». Im Rahmen seiner Lesung werden Sie eine «Montage» daraus zu hören bekommen.

Raphael Urweider & Hans Koch

War das eine Überraschung, als vor sieben Jahren der junge Raphael Urweider mit dem Lyrikband «Lichter in Menlo Park» die literarische Bühne betrat. Drei Jahre später folgte «Das Gegenteil von Fleisch, mit dem er die lyrische Formensprache erweiterte. Lyrik steht sicher im Zentrum seiner Arbeit, aber man kann Urweider auch mit der Berner Rapgruppe LdeeP antreffen, und sein Name steht auch für einen Komponisten von Theatermusik. Momentan arbeitet Urweider als Regisseur im Basler Gare du Nord an «Tante Hänsi - ein Jenseitsreigen», einem Musiktheater der Komponistin Mela Meierhans. Mit dem Bieler Saxofonisten und Bassklarinettisten Hans Koch sucht Urweider immer wieder nach Verbindungen zwischen Sprache und Musik. Hans Koch, Teil von Koch-Schütz-Studer, steht für Hardcore Chambermusic. Urweider lässt sich von den Kleinigkeiten des Alltags faszinieren, verwebt die unscheinbaren Begebenheiten in seiner Lyrik zu frisch erfundenen Geschichten. Ähnliches passiert in der Musik von Hans Koch. Es sind lyrische Etüden, Mosaiksteine, die erst als Ganzes ein neues Bild, ein eigenes Klanguniversum entstehen lassen. Atemgeräusche vermischen sich mit den durch die Bassklarinette gejagten Luftströmen, werden mit Klappengeräuschen zu eigenständigen Klangbildern verdichtet. Sie stehen der knappen Sprache Urweiders gegenüber. Gemeinsam arbeiten die beiden an neuen Formen, unbekannte Territorien erkundend.

Isolde Schaad

Mit ihrer kritisch-ironischen Gesellschaftsbetrachtung und ihrer unbändigen Sprachlust hat sich Isolde Schaad einen Namen gemacht. Seit den Anfängen der WOZ schrieb sie für uns pointierte Beiträge. Schon ihr erstes Buch «Knowhow am Kilimandscharo» löste 1984 sowohl Begeisterung als auch wütende Abwehr aus und gilt heute als Ethno-Klassiker. So geht es Isolde Schaad immer wieder, ob mit «KüsschenTschüss», «Body & Sofa», «Mein Text so blau», «Keiner wars» oder «Vom Einen. Literatur und Geschlecht»: Sie polarisiert, aber niemand kommt an ihrem Werk vorbei.

Peter Weber & Die Firma

Peter Weber reist gerne mit der Bahn. Ein Sprach- und Wortforscher, ein Wetterbeobachter, der sich in den nebligen Zwischenbereichen aufhält und schaut, wie sich die Lichtverhältnisse und damit Landschaften verändern. Ein Improvisator mit Sprache, der Themen variiert, verschachtelt, ihnen neue Drehungen verpasst und so den ZuhörerInnen verschiedenste Deutungsmuster anbietet. Der bei seinen Sprachkonzerten auch gerne zum Trümpi greift, um den Worten zusätzliche Schwingungen zu verleihen und sie akustisch zu begreifen. Weber reist auch gerne zusammen mit der Firma - «vier Maa» - oder präziser einem ebenfalls improvisierenden Streichquartett. Gemeinsam führen sie Bahngespräche über Musik, plaudern zum Rhythmus des ICE und am liebsten am Ende der Komposition. Es gibt, meinen sie, kein schöneres Reisen als mit Streichmusikern und ihren Streichinstrumenten und den Streichinstrumentenkoffern. Marino Pliakas kennen Sie vielleicht von Steamboat Switzerland. Wieder hat er seinen Kontrabass dabei, wie beim 15-Jahre-Jubiläum der WOZ. Seither sind neue Bahngeschichten dazugekommen. Einige kann man im nächsten Buch von Peter Weber nachlesen, das 2007 erscheint. Fragmente davon, Prosa in einer speziellen Klangwelt, sind vielleicht schon etwas vorher zu hören.

Lucas Niggli & Wu Wei

Der Schlagzeuger Lucas Niggli aus Uster ist in verschiedenste Projekte involviert. Vor kurzem hat er im Rahmen des Zürcher Theaterspektakels erfolgreich Kompositionen für Zoom und das Arte Quartett, eine Saxofonformation aus Basel, vorgestellt. Zoom wird zum Quintett erweitert, zu Big Zoom. Seit bald zehn Jahren ist Niggli auch mit der Hardcore-Truppe Steamboat Switzerland unterwegs, und man findet ihn in Formationen von Pierre Favre und seit kurzem in der Gruppe der Sängerin Susanne Abbuehl. Niggli spielt im Duo mit den PianistInnen Sylvie Courvoisier und Jacques Demierre. Von ganz anderer Art ist das Duo mit dem chinesischen Sheng-Spieler Wu Wei. Die Leidenschaft für verschiedene musikalische Welten hat sie zusammengebracht. Vorlieben für zeitgenössische Musik, Improvisation und die Lust an der Erweiterung des Klangspektrums ihrer Instrumente verbinden Niggli und Wei. Die Sheng ist eines der ältesten chinesischen Instrumente, sie vereint siebzehn, einundzwanzig oder siebenunddreissig Pfeifen. Sie gilt als Vorläuferin der Zungeninstrumente, also der Hand- und Kirchenorgel. Wu Wei kann dem Vierkiloinstrument von den sanften Tönen bis zum opulenten Orchesterklang ziemlich alles entlocken. Gemeinsam mit Niggli kreiert Wei eine expressive Collage aus Orient und Okzident, Musik zwischen den Welten, keine Weltmusik.

DJ Pfahlbauer, DJ Göldin, DJ Störsender

Texten dieser drei DJs können sie regelmässig in der WOZ begegnen. Texte über Musik, besonders wenn es Neues von The Fall zu berichten gibt, Bright Eyes eine neue CD veröffentlicht oder Guns ‘n’ Roses aus den Gräbern auf die Bühne steigen. Sie schreiben über neue Erkenntnisse im biologischen Landbau, laden zu Wanderungen ins Toggenburg und begleiten die Aktivitäten in der Zürcher Danslieue, berichten von Ausserirdischen im Zürcher Oberland, interviewen Andrea Barnetta und haben einen starken Bezug zum Wilden Osten der Schweiz. Wenn es auf Mitternacht zugeht, sind sie aber gelegentlich auch hinter den Plattentellern anzutreffen.

SHEDHALLE

WOZblicke - Fotos aus 25 Jahren WOZ

Mitten im verschachtelten Backsteingefüge der Roten Fabrik stellt die helle, hohe Shedhalle einen ruhigen Pol dar. In diesem Ausstellungsraum sind, noch bis zum WOZ-Fest, die «WOZblicke» zu sehen: Eine aufwendig gemachte fotografische Rückschau auf 25 Jahre WOZ. Neben den jeweiligen Originalseiten aus der WOZ sind rund hundert nach fotografischen Kriterien ausgewählte Bilder ausgestellt, die neu auf hochwertiges Barytpapier vergrössert worden sind und nach Ende der Ausstellung in die Sammlung der Fotostiftung Schweiz übergehen. Die meisten der Bilder sind als Bestandteil von Text-/Bildreportagen entstanden und wurden damals in teilweise zweifelhafter Druckqualität veröffentlicht; sie sind nun zum ersten Mal «in aller Deutlichkeit» zu sehen. Die Ausstellung ist damit einerseits Hommage an das Foto, andererseits erzählt sie verschiedene Geschichten: vom Layout und vom Zeitungsdruck im Wandel der Zeit und natürlich von den grossen und kleinen Themen, mit denen sich die WOZ befasste. Viel weiteres Bildmaterial in Büchern, Zeitungen, Archivschachteln und am Bildschirm lädt zur Auseinandersetzung ein.

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