Nr. 11/2006 vom 16.03.2006

Als die WOZ nach Luzern strebte

Von Isabelle Lüthy

«Dies ist die vollständigste WoZ, die je gedruckt worden ist», verkündete die WOZ auf der Titelseite vom 16. März 2000. Nebst der nationalen Zeitung und der «Monde diplomatique» enthielt die Ausgabe als Premiere den Regionalbund «WoZ Luzern», der zur Feier der Erstausgabe in der ganzen Schweiz beilag. Der Start verlief viel versprechend. Innert weniger Stunden war die WoZ an jenem Donnerstag in und um Luzern ausverkauft.

Mit der Entscheidung, sich mit einem eigenen Regionalteil im Raum Luzern zu verankern, betrat die WOZ Neuland. In der Hausmitteilung begründete sie ihren Schritt folgendermassen: «Der Ausbauschritt im Raum Luzern ist eine publizistische Chance - und auch ein Markttest in einer zunehmend von regionalen Monopolzeitungen geprägten Schweizer Presselandschaft.»

Konkreter Anlass für diese Erweiterung war das drohende Aus von «Luzern heute». Zur Erinnerung: Seit 1996 hatte «Luzern heute», zuerst als Tages, später als Wochenzeitung, dem Medienmonopol der «Neuen Luzerner Zeitung» die Stirn geboten. Im Herbst 1999 jedoch wurden die finanziellen Schwierigkeiten zu gross. Mit der Rettungsaktion «Doppel Abo» versuchte sie, 2100 Leute zu bewegen, für ihr Jahresabo den doppelten Preis zu bezahlen. Die Aktion scheiterte. Nur 1200 LeserInnen waren bereit, die 240 Franken pro Jahr aufzubringen. «Zu wenige, um ‹Luzern heute› am Leben zu erhalten, aber auch zu viele, um zu sagen, eine zweite Pressestimme in Luzern entspreche keinem Bedürfnis», konstatierte Urs Dossenbach, Redaktor von «Luzern heute» / «WoZ Luzern». Das fand auch die WOZ. Die Idee der Weiterführung der Zeitung in Form einer vier- bis achtseitigen Regionalbeilage war geboren. Etwa 800 «Luzern heute»-LeserInnen entschlossen sich, ihr Doppelabo in das Projekt «WoZ Luzern» zu inves tieren.

Von Anfang an verstand sich das Projekt als Massnahme gegen den zunehmenden Konzentrationsprozess bei den Printmedien und zugleich als Testlauf für eine weitergehende Stärkung der eigenen regionalen Präsenz. «Gelingt das Luzerner Experiment, wird es in anderen von Medienmonopolen dominierten Regionen Schule machen. Dann könnte es zum Beispiel um eine ‹WoZ Basel›, eine ‹WoZ Aargau› oder eine ‹WoZ St. Gallen› gehen. Und auch in Bern und Zürich stünde dann - trotz weniger monopolisiertem Medienplatz - eine Regionalausgabe zur Diskussion», schrieb die WoZ in einer Hausmitteilung eine Woche vor dem Start des Luzerner Regionalteils.

Die «WoZ Luzern» sollte selbsttragend sein und spätestens nach einem Jahr durch die Auflagensteigerung im Raum Luzern finanziert werden. Dieses Ziel wurde trotz zweijährigem Bemühen nicht erreicht. In den Jahren 2000 und 2001 waren Defizite von je 50000 Franken zu verzeichnen. Ende April 2002 beschloss das Plenum der Genossenschaft Infolink, der Herausgeberin der WOZ, den Regionalbund einzustellen und stattdessen in den Ausbau der nationalen Zeitung zu investieren. Eine Entscheidung «für den Baum und gegen den Ast», wie es damals hiess. Die letzte Ausgabe von «WoZ Luzern» erschien am 23. Mai 2002.

Den vollständigen Text mit der Ankündigung von «WoZ Luzern» eine Woche vor deren erstem Erscheinen finden Sie unter WoZ Luzern.

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