Nr. 13/2006 vom 30.03.2006

Die andere Seite des Mondes

Westeuropäische Linke reisen nach Havanna, schwärmen vom Rhythmus dieser Stadt, vom guten Klima und beklagen die Ineffizienz der Transportmittel. Aber was gefällt einem Kubaner in Westeuropa, und wonach sucht er? Ein Kubaner, der in Berlin die Mauer sah und den Fall dieses «unglückseligen Elefanten aus der indischen Fabel».

Von Jesús Diaz

I

Ich nehme an, das erste Mal, als ich das Wort «Berlin» aussprach, war ich kaum vier Jahre alt. Ich habe die klare Erinnerung an eine Nacht, als wir Kinder durch die Strassen des Arbeiterviertels Luyanó, im Südosten Havannas, rannten, mit alten Büchsen Radau machten und mit heller Begeisterung sangen: «Pin pin, cayó Berlín, pon pon, cayó Japón!» Pin pin, Berlin ist gefallen, pon pon, Japan ist gefallen. Es muss der 9. Mai 1945 gewesen sein, oder, wer weiss, der Tag, als die Atombombe auf Hiroshima fiel; ich könnte es nicht mehr mit Sicherheit sagen, wenn ich mich auch gut erinnere, dass wir sehr froh waren.

II

Ich war 1973 zum ersten Mal in Berlin, auf dem Weg nach Prag, doch ich verliess den Flughafen nicht. Ich war mit einer Il-62 der Cubana gekommen, zusammen mit 223 Landsleuten, die sich vermutlich in der DDR zu Facharbeitern ausbilden lassen sollten, obwohl sie tatsächlich nichts anderes als billige Hilfskräfte waren. Wir kamen zur Gepäckausgabe auf dem Flughafen Schönefeld, und als die Ladung unseres Fluges an die Reihe kam, begann das Förderband lauter gleichartige Koffer auszuspucken: jenes Modell, das in Havanna in einem speziellen Laden an die Bürger verkauft wurde, die ins Ausland reisten.

Es fielen, einer auf den anderen, 224 genau gleiche Koffer heraus. So dass niemand in der Lage war, festzustellen, welches der seine war. Den örtlichen Behörden blieb nichts anderes übrig, als uns mit unserem Gepäck in ein nahes Hotel zu verfrachten, dort einen Koffer nach dem anderen öffnen zu lassen, um herauszufinden, wem welcher gehörte Der Unsinn erreichte seinen Höhepunkt, als sich zeigte, dass die Kleider, in jenem gleichen Laden gekauft, ebenfalls identisch waren. Wenn dieser Text eine Erzählung wäre, bräuchte es nicht mehr für den Anfang, und ich hätte bestes Material, um mit Beckett zu wetteifern, aber es ist dies eine gewisse Erinnerung, und ich muss sagen, dass meine Kleider nicht genau gleich waren, denn ich war zuvor nach Kanada gereist; so war ich einer der ersten, der seinen Koffer identifizieren konnte, und glücklicherweise verpasste ich den Anschluss nach Prag nicht.

III

Nach Berlin hinein gelangte ich zum ersten Mal 1975, von Leipzig kommend, wo ich das Filmfestival besucht hatte. Die deutsche Hauptstadt war geteilt, und für mich als Kubaner beschränkte sie sich auf den östlichen Teil. Damals studierte dort Ricardo Machado, ein guter kubanischer Freund, der mir vorschlug, meine kurzen Transitstunden in einen Besuch des Pergamon-Museums zu investieren. Ich lehnte ab, weil ich die Mauer zu sehen wünschte. Machado verstand mein Interesse für das, wie er mit trauriger Ironie sagte, ohne Zweifel wichtigste Denkmal der Stadt. Ich erinnere mich an ein Stück der finsteren grauen Mauer, von einem Standpunkt in der Nähe von Unter den Linden aus gesehen. Auf der anderen Seite war das Verbotene, das Unmögliche. Ich fühlte die Versuchung und die Angst, die man angesichts eines Abgrundes zu fühlen pflegt, und dennoch konnte ich lachen, als Machado mir erzählte, dass man die Mauer offiziell «antifaschistischer Schutzwall» nannte.

Danach spazierten wir unter den Linden bis zum Schauplatz eines Romans, der mir ausserordentlich gefallen hatte, Berlin Alexanderplatz, und dort erklärte mir Machado, dass der Fernsehturrn nicht nur aus technischer Notwendigkeit, sondern auch aus politischen Gründen so hoch war. Damit wollte die DDR vom «anderen» Berlin aus gesehen werden, ihren Willen zur Macht und zur Permanenz demonstrieren. Mein Freund empfand eine schreckliche Hassliebe zu dieser Stadt, der er heute wie einer verlorenen Geliebten nachtrauert, und ein Gutteil der Stunden, die wir zusammen verbrachten, schimpfte er auf das Berliner Klima. Ich wies darauf hin, dass dieses günstig gewesen sei und die Stadt liebenswürdig. «Sie wird sich nicht offenbaren, bis du gehst», sagte er, «sie ist scheinheilig.»

IV

Mein zweiter Besuch der alten Preussenkapitale ergab sich vierzehn Jahre später als Gast eines literarischen Kolloquiums, das Peter Ripken organisiert hatte, der Leiter der Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Asien, Afrika und Lateinamerika, einer wirksamen und für die Kommunikation zwischen Deutschland und der reichhaltigen Literatur der armen Welt äusserst wichtigen Institution. Ich war sehr aufgeregt, denn die Einladung erging nach Westberlin, das heisst, zum Verbotenen, wohin ich von Wien her gelangen sollte. Und siehe da, plötzlich war die Reise gefährdet. Die kubanische Regierung erlaubte ihren Bürgern die Einreise nach Westberlin nur von Ostberlin aus, mit vorherigem Antrag auf Erlaubnis durch die DDR-Regierung.

Der gute Peter Ripken sah nicht ein, was eine so rigorose und wunderliche Anwendung des Potsdamer Abkommens notwendig gemacht hätte, denn wir waren mitten im November 1989; gigantische regimekritische Kundgebungen hatten die Strassen in Leipzig, Dresden und anderen Städten der DDR erobert, und Honecker war als SED-Vorsitzender ersetzt worden durch den inzwischen vergessenen Egon Krenz. Doch Havanna wünschte keine anderen Wege in ein Westberlin auszuprobieren, welches es nicht als Teil der Bundesrepublik Deutschland anschaute. Peter und die Freunde des Hauses der Kulturen der Welt, das den Anlass mittrug, sandten mir schliesslich eine Fahrkarte von Wien nach Ostberlin; die kubanische Botschaft in der DDR erledigte die bürokratischen Formalitäten, und ein anderer Freund half mir, die Mauer am mythischen Checkpoint Charlie zu passieren. Er war ein richtiger Experte in deutscher Politik, und während der Fahrt durch die beiden Berlin sprachen wir von nichts anderem. Nur eines sei gewiss in diesem kritischen Augenblick, sagte er mir, die Berliner Mauer, eine der schmerzlichsten Folgen des Kalten Kriegs, werde mindestens weitere zwanzig Jahre bestehen bleiben, Garantie für das Gleichgewicht der Welt.

Als ich bereits in Westberlin, der verbotenen Stadt, war, verlangte ich, diese andere Seite der Mauer zu sehen. Sie stellte sich für mich als so etwas wie die andere Seite des Mondes heraus. Was dort ein grauer und unberührbarer Wall war, hatte sich hier in das grösste und farbigste Wandgemälde verwandelt. Doch deshalb hörte sie noch nicht auf, von einer Tragödie zu künden. Vor allem, wenn man sie aus einem bestimmten Blickwinkel anschaute, von einem hölzernen Aussichtsturm in der Nähe des Tiergartens, erschien sie als die schreckliche Naht einer enormen und schlecht vernarbten Wunde mitten im Angesicht der Stadt. Ich fragte, wie lange dieses Ungeschick wohl noch bestehen bleiben würde, und die Westberliner, die mich begleiteten, antworteten analog zur Aussage des Ostberliners, der mir vorher geholfen hatte. Aber diese Leute hier waren Schriftsteller, und einer von ihnen hielt es für angebracht, mit einer Metapher zu schliessen. Die Mauer, sagte er, ist so etwas wie der unglückselige Elefant aus der indischen Fabel, auf dessen Rücken das Universum ruht.

Wenige Tage danach fuhr ich weiter nach Madrid, wo mich meine spanischen Freunde mit Fragen über die deutsche Situation löcherten. Ich antwortete ihnen mit einem Vortrag; wenige Male in meinem Leben war ich so brillant und von meinen Schlussfolgerungen überzeugt gewesen. Nur eine Sache sei sicher in diesem kritischen Moment, sagte ich, die Berliner Mauer, eine der schmerzlichsten Folgen des Kalten Kriegs, werde mindestens weitere zwanzig Jahre bestehen bleiben, Garantie für das Gleichgewicht der Welt; sie sei im übrigen so etwas wie jener Elefant aus der indischen Fabel, auf dessen Rücken das ganze Universum ruhe. Es war, das werde ich nie vergessen, die Nacht des 9. November 1989, und während ich redete, fiel die Mauer in Stücke. Doch im Gegensatz zu dem, was man denken könnte, waren die deutschen Freunde, die mir die Lektion gegeben hatten, welche ich in Madrid nachplapperte wie Flauberts Papagei, nicht so verrückt, schliesslich war das prekäre Gleichgewicht, welches die Welt während des Kalten Kriegs aufrechterhalten hatte, mit dem Fall der Berliner Mauer für immer in Brüche gegangen.

V

Im April 1991 kam ich mit meiner Familie für ein Jahr nach Berlin, eingeladen vom Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Eine der ersten Handlungen, zu denen ich mich veranlasst sah, war, das Visum für Österreich zu beantragen, da ich in dieses Land eingeladen worden war, und ein Lateinamerikaner in Europa brauchte eine Erlaubnis für das Passieren jedweder Grenze. Das österreichische Konsulat in Berlin befindet sich an der Otto-Grotewohl-Strasse 5, und weil ich wenig Zeit hatte und nicht die mindeste Idee, wo die besagte Strasse sein könnte, begann ich zu fragen. Niemand wusste etwas. Ich insistierte, in der Annahme, dass jedes Konsulat, das auf sich hält, im Zentrum sein müsse, doch vergebens. So bat ich Nicole um Hilfe, die ausserordentlich tüchtige Sekretärin des DAAD, gebürtige Berlinerin, die die Stadt wie ihre Handfläche kannte. «Ich weiss nicht», gestand sie, hilflos, «diese Strasse muss auf der anderen Seite der Mauer liegen.»

VI

Sehr bald stellte ich fest, dass sich ein Kubaner in Berlin einem unerträglichen Dialog von Schwerhörigen gegenübersieht. Die auf dem linken Ohr Tauben, das heisst jene, die nur mit dem rechten Ohr hören, erklären einem auf der Stelle ihr unverbrüchliches Einverständnis mit der Kuba-Blockade. Sie können einfach nicht verstehen, warum der Sozialismus auf der Insel noch nicht besiegt ist, wenn er in den osteuropäischen Ländern und der Sowjetunion doch schon besiegt wurde. Man wird vergeblich Zeit und Spucke vergeuden, wenn man diesen Leuten erklären will, dass die Blockade ein Verbrechen ist und die kubanische Revolution nicht das Resultat des Abkommens von Jalta; sie wollen es einfach nicht hören. Die anderen, auf dem rechten Ohr taub, nur mit dem linken Ohr hörend, rufen «Socialismo o muerrte, compañerro!», mit diesem so deutschen gutturalen «r», und verwechseln Kuba mit dem Paradies. Man wird vergebens Zeit und Spucke aufwenden, ihnen zu erklären, dass der Alltag auf der Insel mehr dem Inferno als etwas anderem ähnelt, dass es einem blockierten Kuba nicht möglich ist, den Sozialismus zu erreichen - einmal vorausgesetzt, jemand wäre in der Lage, diesen zu definieren -, und dass die Losung, mit der sie so fröhlich wie verantwortungslos herumfuchteln, sich auf einen der beiden Begriffe reduziert: Tod. Sie wollen es einfach nicht hören.

VII

Politik beiseite, drei Ängste beherrschten mich, als ich nach Berlin kam. Die Angst vor der Kälte, vor der für mich unaussprechlichen Sprache und vor dem Mangel an Musik und Tanz. Vielleicht muss ich die letztere Befürchtung erklären, mag es doch im Lande Bachs, Beethovens und Wagners an allem mangeln, bloss nicht an Musik. Ich beziehe mich nicht auf diese Musik, die mir übrigens gut gefällt, sondern auf meine, die kubanische Musik, die von einigen «Salsa» getauft worden ist, die ich brauche wie die Luft zum Atmen und die ich, da war ich sicher, in der alten Preussenhauptstadt nicht finden würde.

Ich ging davon aus, dass die Kälte nicht so schrecklich ist, wenn man essen und sich schützen kann, und dass die Unkenntnis der deutschen Sprache auch kein grösseres Problem ist. Alle meine Freunde sprechen englisch, französisch, italienisch oder spanisch, und Untergrundbahnen, Busse und Läden sind so gut beschildert, dass beinahe ein Blinder sich darin zurechtfände. Doch mir fehlten Musik und Tanz, und alsbald begann diese Entbehrung zu schmerzen. Platten und Kassetten zu hören und mit meiner Frau allein zu tanzen, stellte sich als trister Ersatz heraus; wegen des hohen Anteils an Improvisation verlangt die kubanische Musik danach, live genossen zu werden und in Gemeinschaft getanzt zu werden; sie vereint ihre absolute Modernität mit gewissen Stammesreminiszenzen, die in diesen Breiten leider verlorengegangen sind.

Und siehe da, wie ich eines Tages in meinem Heimweh auf einem Spaziergang durch eine Strasse mit einem vielsagenden philosophischen Namen - die Kantstrasse - gehe, treffe ich auf einen Club, dessen Name wiederum derjenige eines meiner Lieblingsdichter ist - Quasimodo -, und wie mein Blick auf die Vitrine fällt, erkenne ich, dass hier am gleichen Abend kein geringerer als Gonzalito Ruvalcaba spielen wird. Hätte Cortázar Gonzalito spielen gehört, er hätte ihn einen «enormísimo cronopio» genannt, so wie er Louis Armstrong nannte; aber Julio verliess uns, ohne Gonzalito hören zu können. Und weil nicht ich sagen werde, dass Gonzalito zurzeit der beste Jazzpianist der Welt ist, sage ich einfach, dass er mein Freund ist und dass er mich eine unvergessliche Nacht in Berlin verleben liess, in der ich mein Heimweh fast überwand.

Fast, denn mein Heimweh ist eine Art Phönix, der am nächsten Tag aus der Asche meiner Begeisterung erstand, als ich mir vergegenwärtigte, dass Gonzalito mit seiner Musik buchstäblich an einen anderen Ort gezogen war und dass ich so einsam war wie zuvor. Macht nichts, sagte ich mir, ich reise auch ab. Das tat ich tatsächlich, zwar nicht nach Havanna, sondern nach Altenmarkt in Österreich, schliesslich hatte ich es mit Hilfe des Stadtplans geschafft, herauszufinden, dass die Otto-Grotewohl-Strasse praktisch neben dem Brandenburger Tor lag, mitten im Zentrum des alten Westberlin, und ich hatte mein Visum erhalten. Für Nichtalpinisten erkläre ich, dass Altenmarkt ein Bergdorf ist, auf allen vier Seiten von Schnee umgeben. Dessen ungeachtet hegte ich die Hoffnung, dort zu meiner Musik tanzen zu können, zumal zum Abschluss des «Seminars mit Schwerpunkt 500 Jahre Eroberung Amerikas» gemäss Programm eine Fiesta mit lateinamerikanischer Live-Musik angeboten wurde.

Und da wir als Referenten des Seminars nur zu zweit waren, der Brasilianer João Ubaldo Ribeiro und ich, hatte ich nicht den geringsten Zweifel, dass das Fest mit Musik aus unseren jeweiligen Ländern untermalt sein würde, die sich im übrigen stark gleicht. Am besagten Tag tauchten die Ausübenden frühzeitig auf, doch, Schmerz lass nach, sie kamen mit Ponchos, Panflöten, Trommeln und Charangos und spielten diese wirklich traurige Andenmusik, die uns geradewegs an den Rand der Tränen brachte. Ja, auch wenn es für uns unglaublich ist, reduziert sich für die allermeisten Mitteleuropäer Lateinamerika auf seine eingeborene Seite, die natürlich seine folkloristischste ist. Nicht im Traum geht ihnen in den Kopf, dass Brasilien, Kuba, der Rest der Karibik und der Süden der Vereinigten Staaten ein- und denselben kulturellen Komplex bilden, der unter anderem die beste Tanzmusik dieses Jahrhunderts hervorgebracht hat.

Spätnachts waren João und ich so betrübt, dass unsere österreichischen Freunde uns den Besuch einer Bar vorschlugen, in der man nach Herzenslust zu brasilianischer und kubanischer Musik tanzen könne. «Hier in Altenmarkt?», fragten wir. Hier in Altenmarkt, kam die Antwort. Wir rannten beinahe. Der Musiker, es war ein einzelner, nannte sich Tony. Und er verfügte über eines dieser teuflischen Klavierchen japanischer Machart, die auf blosse Betätigung bestimmter Tasten hin «musikalische Backgrounds» wiedergeben, die von den Herstellern Mambo, Samba, Walzer, Rumba, Polka, Rock etc. betitelt werden und die immer gleich dumm tönen.

Ich kehrte verständlicherweise deprimiert nach Berlin zurück, doch zwei Tage danach rief mich ein Freund an und teilte mir mit, die Gruppe Mezcla (Mischung) spiele abends am Marianenplatz. Ich sagte auf der Stelle alle meine Verpflichtungen ab und eilte zum hübschen Platz inmitten von Kreuzberg, dem Viertel der Alternativen und der Immigranten. Wie fast alle kubanischen Musiker sind die Jungs von Mezcla meine Freunde, weshalb ich mich dafür entschuldige, zu sagen, dass sie wie Götter spielen. Doch sage ich, sie verschafften mir einen aussergewöhnlichen Abend am Marianenplatz, wobei ich auch ein bisschen tanzen konnte. Nicht viel, denn Mezcla - der Name sagts - verfügt über eine gewaltige Bandbreite: vom Rock zur Ballade, vom Rumba zum Bolero. So dass ich sie am Ende des Konzerts zu mir nach Hause einlud, in der Hoffnung, ein regelrechtes Fest auf die Beine stellen zu können und bis zum Morgengrauen zu tanzen.

Sie bedauerten jedoch, denn sie hatten sich für einen Berliner Club verpflichtet, dafür luden sie mich ein, sie zu begleiten. Was ich tat, und dabei entdeckte ich, dass es kaum fünf Minuten von meiner Wohnung entfernt einen Ort namens «Salsa» gibt, wo «Salsamanía» spielt, ein ebenso gutes wie unübliches Orchester, aus puertoricanischen und deutschen Musikern zusammengesetzt. Und mein Heimweh und ich konnten schliesslich tanzen zum Rhythmus eines preussischen Bongospielers, zweier puertoricanischer Sänger, eines bayrischen Trompeters und eines hamburgischen Pianisten, wohinzu sich diese Nacht noch meine Freunde von Mezcla gesellten. Und es war, als hätten sie immer zusammen gespielt, wie wenn Berlin in der Karibik läge oder umgekehrt, das war egal, denn hier gab es keine Erdteile oder Rassen, nur Musik und einen Stamm guter Tänzer, einen Stamm von glücklichen Weissen, Schwarzen, Braunen und Gelben, gleichartig und verschiedenartig, so wie eines Tages die Welt sein soll.

Wenn Ihnen der unabhängige und kritische Journalismus der WOZ etwas wert ist, können Sie uns gerne spontan finanziell unterstützen:

Überweisung

PC-Konto 87-39737-0
BIC POFICHBEXXX
IBAN CH04 0900 0000 8703 9737 0
Verwendungszweck Spende woz.ch